Ziemlich nah am Heute
Dunkel regiert. Wo leuchtet das Licht der Aufklärung, das Gebot der optimistischen Denkungsart, es werde schon gut werden, und sei es durch das Auftreten einer Diana ex machina – nämlich gerade dann, wenn das Ungeheuerliche wahr zu werden droht, die Opferung des geliebten Bruders durch seine Schwester? Es geschieht aber nichts. Der Gewaltherrscher wird mit einem Schnitt durch die Gurgel getötet, und gleich feiert der Chor in C-Dur «une paix douce et profonde».
Glucks «Iphigénie en Tauride» lässt das Finstere nicht aus: die Traumata der Tantaliden, die Schuldträume des Orest, der die Mutter tötete, weil sie den Vater ermordete. Und doch tun wir uns Heutige schwer mit dem Glauben an das Gute. Immerhin leuchten in der «Iphigénie»-Inszenierung von Rafael R. Villalobos, (als Koproduktion der Opera Vlaanderen mit Montpellier und Sevilla) rechts und links der Szene, unauffällig aber durchgehend, zwei «EXIT»-Schilder. Es gäbe ihn wohl, den Notausgang.
Die Schilder gehören zum Setting, denn wir befinden uns in einem dunkel-nüchternen Theaterraum und schauen von der Bühne ins aufsteigende Parkett. Emanuele Sinisi hat einen konkreten Raum nachgebaut, es soll das Theater von Mariupol sein; ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
Richard Strauss’ zehnte Oper gilt weithin als «Rosenkavalier zweiter Klasse». Das ist als Urteil über die Dramaturgie nachvollziehbar, denn der 1929 verstorbene Textdichter Hugo von Hofmannsthal hatte sein Libretto nicht mehr überarbeiten können. Die Uraufführung folgte erst 1933 in Dresden, fünf Monate nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Terror-Bande. Aber...
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein...
Der Titel des achten (und vor dem Epilog) letzten Bildes aus Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin» verrät kaum, welch gewaltige Peripetie in ihm steckt und wie viel von der Idee eines Menschen in der Revolte. «Konzert» ist dieses Bild überschrieben, und ein ebensolches steht nun auch in jenem Raum des Badehauses im KZ Auschwitz an, der jedoch im Theater...
