Ziemlich nah am Heute
Dunkel regiert. Wo leuchtet das Licht der Aufklärung, das Gebot der optimistischen Denkungsart, es werde schon gut werden, und sei es durch das Auftreten einer Diana ex machina – nämlich gerade dann, wenn das Ungeheuerliche wahr zu werden droht, die Opferung des geliebten Bruders durch seine Schwester? Es geschieht aber nichts. Der Gewaltherrscher wird mit einem Schnitt durch die Gurgel getötet, und gleich feiert der Chor in C-Dur «une paix douce et profonde».
Glucks «Iphigénie en Tauride» lässt das Finstere nicht aus: die Traumata der Tantaliden, die Schuldträume des Orest, der die Mutter tötete, weil sie den Vater ermordete. Und doch tun wir uns Heutige schwer mit dem Glauben an das Gute. Immerhin leuchten in der «Iphigénie»-Inszenierung von Rafael R. Villalobos, (als Koproduktion der Opera Vlaanderen mit Montpellier und Sevilla) rechts und links der Szene, unauffällig aber durchgehend, zwei «EXIT»-Schilder. Es gäbe ihn wohl, den Notausgang.
Die Schilder gehören zum Setting, denn wir befinden uns in einem dunkel-nüchternen Theaterraum und schauen von der Bühne ins aufsteigende Parkett. Emanuele Sinisi hat einen konkreten Raum nachgebaut, es soll das Theater von Mariupol sein; ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze
Wie konnte es sein, dass nach John Eliot Gardiners Pioniertat von 1987 in Lyon und beim Festival d’Aix-en-Provence, die Glucks erster französischer Oper messerscharfe Konturen und (durch einige rustikale Kürzungen der Divertissements) eine Dramaturgie aus dem Geist der Opernreform verliehen hatte, Riccardo Muti 2002 in Mailand noch einmal ein groß besetztes...
Von den alten Griechen ist der Mythos überliefert, dass Schwäne im Angesicht des Todes besonders schön singen. Daher rührt der Begriff «Schwanengesang». Seitdem die English National Opera vor dem Abgrund steht, singt und spielt sie, als beflügle die Not des Hauses ihre Kreativität. In den letzten zwei Jahren hat die ENO eine Reihe von Aufführungen produziert, wie...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
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