Im Märchenwald
Richard Strauss’ zehnte Oper gilt weithin als «Rosenkavalier zweiter Klasse». Das ist als Urteil über die Dramaturgie nachvollziehbar, denn der 1929 verstorbene Textdichter Hugo von Hofmannsthal hatte sein Libretto nicht mehr überarbeiten können. Die Uraufführung folgte erst 1933 in Dresden, fünf Monate nach der Machtübernahme Hitlers und seiner Terror-Bande. Aber welche musikalische Raffinesse! Die Klangfarben der funkelnden Partitur sind noch feiner abgemischt als zwei Jahrzehnte zuvor im «Rosenkavalier».
So überrascht es nicht, dass dieser nostalgische Rückblick auf die verlotterte Wiener Gesellschaft der 1860er-Jahre auch im 21. Jahrhundert regelmäßig inszeniert wird.
Vertreter des «Regietheaters» fordern dabei selbstredend einen kritischen Ansatz, zum Beispiel – wie in mancher neueren Produktion – eine Versetzung in die Zeit der Uraufführung oder gleich in die Gegenwart. Denn was kann uns diese Schmonzette mit ihrem schon damals altbackenen Frauenbild heute noch sagen? Marco Štorman musste nach eigener Aussage «gar nicht viel machen, sie ins Heute zu holen». Insofern überrascht es, dass er seine «Arabella» an den Bühnen Bern in einer Märchenzeit spielen lässt: nicht im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Anselm Gerhard
Ein Fall für die Philologie: Allein drei Titel hat die letzte Oper der polyglotten englischen Komponistin Ethel Smyth: «Les Naufrageurs», «Strandrecht» und «The Wreckers». Französisch, weil dies die bevorzugte Dichtersprache des franko-amerikanischen Librettisten Henry Brewster, genannt Harry, war und Smyth an eine Uraufführung in London dachte, wo André Messager...
Schweres Blei, Quecksilber, zerstoßenes Kirchenfenster-Glas, ein Luchs- und ein Wiedehopf-Auge: Es gibt gewiss schmackhaftere Eintöpfe. Max trinkt das Gebräu aus einem Messkelch – und erbricht sich sodann. Sechsmal macht es pling in einer Metallschale, es sind die Freikugeln, die er hervorwürgt. Den siebten Schluck für die letzte Kugel genehmigt sich Kaspar, er...
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein...
