Zeugen einer großen Opernepoche
Auch wenn visuelle Aufzeichnungen von Liederabenden der Kamera nicht viele Entfaltungsmöglichkeiten bieten und der optische Eindruck meist ziemlich einförmig bleibt, ergänzen sie die Tonaufzeichnungen doch in entscheidender Weise. Denn Haltung, Mienenspiel und Selbstdarstellung des auf dem Podium ganz auf sich gestellten Sängers sind ein nicht unbedeutender Bestandteil seiner Interpretation.
Wenn es sich dazuhin um große Künstler der Vergangenheit handelt, die ein großer Teil der Musikfreunde nicht mehr oder gerade noch live erleben konnte, kommt noch eine historische Qualität hinzu: Legenden hautnah zu erleben. Das italienische Label Dynamic hat nun Recitals von drei der bedeutendsten Sänger der Nachkriegszeit erstmals veröffentlicht und bietet sie im Dreierpack zum Preis von einer DVD an.
Der bulgarische Bassist Boris Christoff (1914-1993), der sich gelegentlich als Italiener bulgarischen Ursprungs bezeichnete, gehörte zu den Giganten der Callas-Ära und hat ein stattliches diskografisches Erbe hinterlassen, darunter zwei Studioaufnahmen des «Boris Godunow», in denen er nicht nur die Titelpartie, sondern auch noch die Rollen des Pimen und des Warlaam sang. Seine Filmdokumente ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Medien/DVDs, Seite 28
von Ekkehard Pluta
Irgendwann geht auch die längste Intendanz mal zu Ende. «Goodbye Nic» hieß es in diesem Jahr in Göttingen – denn bei den Internationalen Händel-Festspielen steht eine Zeitenwende an. Nicholas McGegan, seit 1991 Künstlerischer Leiter des ältesten deutschen Händel-Festivals, verlässt seinen Posten in der niedersächsischen Universitätsstadt und wird die Geschicke des...
Warum spielen wir uns Komödien und Tragödien vor? Um das Leben besser zu verstehen. Und um es ein wenig erträglicher zu machen. All die Dramen von Lust und Leid, Gewalt und Leidenschaft, Mord und Totschlag, die uns in Atem halten, seit der Mensch die Schöpfung aufmischt. Christoph Nix erzählt diese Geschichte gern. Er hat sie vermutlich schon oft erzählt. Damit man...
Der Vorgang ist von bezwingender Wirkung. Er ereignet sich im vierten Akt, der am Vorabend der «Bartholomäusnacht» spielt. Zehntausende Protestanten (= Hugenotten) fielen 1572 einem vom katholischen Königshaus gesteuerten Mordkomplott zum Opfer. Wenn der versammelte Pariser Mob – von fanatischen Mönchen auf die Bluttat als «heilige Sache» eingeschworen – in der...
