Mit Herz und Schmerz
Die Eröffnungspremiere in der Arena di Verona ist mal wieder eine Zitterpartie bis fast zur letzten Minute. Angstvoll wandern die Blicke der Besucher gen Himmel – doch das Wetter hält. Der angekündigte Regen fällt nicht, am Ende reißt sogar der nächtliche Himmel auf, und während Violetta Valéry ihr Leben aushustet, steigt direkt hinter Bühne goldgelb der Vollmond auf. Erleichterung bei den 15 000 Zuschauern – und Riesenjubel für eine Neuinszenierung, deren darstellerische Dichte überrascht.
Hugo de Ana wird in Verona geschätzt, weil er mit dem enormen Bühnenraum in der Nordkurve des antiken Amphitheaters umzugehen versteht. Als sein eigener Ausstatter und Lichtregisseur hat er hier bereits für «Nabucco» sowie den «Barbier von Sevilla» skulpturale Installationen von hohem Schauwert in Szene gesetzt. Diesmal füllen gigantische Bilderrahmen die Spielfläche, reich verziert und goldbronzen lackiert, die sich durch verstecke Hydraulik heben und senken lassen. Was die Personenführung betrifft, kann der Argentinier dagegen (deutsche) Bedürfnisse normalerweise kaum befriedigen. Bei dieser «Traviata» allerdings stehen ihm mit Ermonela Jaho und Francesco Demuro zwei so leidenschaftliche ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Frederik Hanssen
Ein Paukenschlag. Nicht weil David Ma-yoral vom superben Barockensemble L’Arpeggiata zu Beginn und am Ende der Vorgeschichte zum Trojanischen Krieg, die Giovanni Andrea Bontempi unter dem Titel «Il Paride» 1662 «vertonte», die große Trommel rührt. Und auch nicht, weil die Musik des aus Perugia stammenden Kastraten, der bei Virgilio Mazzochi in die Gesangschule ging...
Frau Merkel war auch da. Saß nur zwei Plätze links von uns. Auf dem Sitz dazwischen nicht einmal ein Bodyguard, sondern der Regisseur des Abends, Nikolaus Lehnhoff. So kann es gehen, in Baden-Baden. Bei der Premiere, drei Tage zuvor, soll der kulturaffine Geldadel komplett gewesen sein. Auf der Gästeliste: Spitzen der Deutschen Bank, Wirtschaftsweise, Karajans...
An Ausgrabungen auf dem Gebiet der romantischen Belcanto-Oper hat es in den letzten Jahrzehnten wahrlich nicht gefehlt. Keine der etwa 80 Opern Gaetano Donizettis ist gänzlich unbeachtet geblieben, Saverio Mercadante und Giovanni Pacini sind heute jedem ernsthaften Opernfreund ein Begriff und zahlreiche vorher namenlose Kleinmeister wieder ins Gedächtnis...
