«Jeder ist für sich selbst verantwortlich»
Frau Erdmann, beginnen wir apodiktisch. Es wird behauptet, Künstler seien abgehobene Wesen. Womöglich ein falsches Bild. Aber es ist in der Welt. Wer transportiert dieses Bild?
Na ja, wer transportiert das? Das sind schon die Medien.
Wer gibt den Medien die Informationen, ohne die sich ein solches Image kaum fügen lässt?
Vielleicht wollen die Menschen genau das im Künstler sehen: dass dieser etwas anderes darstellt als das, was sie im eigenen Privatleben vorfinden.
Eine Art Erhöhung?
Ja, durchaus.
Aber das hat auch etwas von Zirkusartisten, die mit ihren Wohnwagen
herumfahren, keine Wurzeln haben und eben dadurch abgehoben sind, im bildlichen Sinn. Dass aber zu all dem, was wir Sänger anscheinend wie von selbst tun, zu den Auftritten, dem Erfolg, harte Arbeit und ein hohes Maß an Disziplin gehören, wissen die wenigsten. Und ebenso wenig wissen sie, dass der Beruf nicht selten Entbehrungen mit sich bringt.
Als wir uns das letzte Mal getroffen haben, vor vier Jahren in Frankfurt, galten Sie in Fachkreisen zwar als sehr begabte Sängerin, nicht aber als eine Künstlerin, der man in jedem Fall eine große Karriere zutraute. Jetzt sind Sie, nicht zuletzt nach Ihrem hoch gerühmten Salzburger ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Interview, Seite 32
von Jürgen Otten
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