Zerbrochene Welt
Perm bereitet sich auf seine 300-Jahr-Feier vor. Die Stadt, einst von Peter dem Großen als Zentrum der Metallgewinnung gegründet und seit 1916 Sitz der ersten Universität im Ural, scheint sich nicht damit zufriedengeben zu wollen, keine Rolle mehr als Zentrum der zeitgenössischen Kunst und Kultur zu spielen (wie es die restriktive Politik vorsieht). Mit aller Macht kämpfen insbesondere die Theater weiterhin für die Freiheit der Kunst.
Nach Händels «Il trionfo del Tempo e del Disinganno» in Moskau und Bizets «Carmen» in Perm führte Wagners romantische Oper «Der fliegende Holländer» den Regisseur Konstantin Bogomolov und den Dirigenten Philipp Chizhevsky bereits zum dritten Mal zusammen. Bogomolov zählt zu den renommiertesten Theaterregisseuren des Landes. In den 2010er-Jahren war er Teil der russischen Protestbewegung, doch 2020 veröffentlichte er ein Manifest, in welchem er Europa moralischen Zerfall bescheinigte und für Russland einen rechtsextremen Weg guthieß. In Verbindung damit änderte er seine künstlerische Methodik: Nach wie vor virtuos als Regisseur, betrachtet er die Welt mit eiskaltem Blick.
So auch im «Fliegenden Holländer»: Die Handlung spielt in der Region Perm und ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Alexei Parin
Für Johann Sebastian Bach war Kirchenmusik, wie die Predigt des sonntäglichen Gottesdienstes, Verkündigung – «der Glaube gesungen», wie er selbst auf einem seiner Kantaten-Autographe notierte. Schon im Konzertsaal mit dem Kult der ästhetischen Autonomie, erst recht aber auf der Opern-, gar der Tanzbühne scheinen seine beiden großen Passionen fehl am Platz. Und doch...
Von diesem Bühnenwerk bekam wohl jeder Musikmensch in der damaligen DDR etwas mit. Frank Schneider, ehemaliger Intendant des Berliner Konzerthauses, bezeichnete es erst vor einigen Monaten rückblickend als wichtige Wegmarke der Geschichte politischen Musiktheaters im deutschsprachigen Raum – und empfahl das Werk jungen Menschen als hervorragenden Einstieg in die...
Erlösung dem Erlöser», auch das hätten die letzten Worte sein können, herabwehend aus irgendeiner Beleuchterbrücke des Nürnberger Opernhauses. Nun beschließt aber «Corriam tutti a festeggiar» die Amtszeit von Joana Mallwitz. «Le nozze di Figaro» also statt «Parsifal», der den großen Corona-Verschiebungen des fränkischen Spielplans zum Opfer gefallen ist. Genau...
