Körpertheater

Ulrich Rasche inszeniert an der Staatsoper Stuttgart Bachs «Johannes-Passion» als strenges choreografisches Ritual

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Für Johann Sebastian Bach war Kirchenmusik, wie die Predigt des sonntäglichen Gottesdienstes, Verkündigung – «der Glaube gesungen», wie er selbst auf einem seiner Kantaten-Autographe notierte. Schon im Konzertsaal mit dem Kult der ästhetischen Autonomie, erst recht aber auf der Opern-, gar der Tanzbühne scheinen seine beiden großen Passionen fehl am Platz.

Und doch finden sie, abseits der ursprünglichen liturgischen Bestimmung, in einer säkularisierten Gesellschaft wie der unsrigen gerade auf dem Theater ihren Sinn – kraft ihres gemeinschaftsstiftenden Ritualcharakters, ihrer Darstellung elementarer emotionaler Erfahrungen und Erschütterungen von Liebe und Schmerz, Gewalt und Tod – und nicht zuletzt auch kraft ihrer musikalischen Form, die sie mit der barocken Oper verbindet. 

Carl Orff war der erste, der 1932 die apokryphe, damals noch Bach zugeschriebene «Lukas-Passion» mit dem Münchner Bach-Verein als Episches Theater szenisch aufführte. Heute ist es vor allem die kürzere «Johannes-Passion» mit ihrer zugespitzten Theatralik, der man hin und wieder auf der Opernbühne begegnet. Dietrich Hilsdorf hat sie 2005 in Wiesbaden, Andrej Woron 2014 in Osnabrück inszeniert. Beide haben sie ...

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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Uwe Schweikert

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