Der Stachel bleibt
Von diesem Bühnenwerk bekam wohl jeder Musikmensch in der damaligen DDR etwas mit. Frank Schneider, ehemaliger Intendant des Berliner Konzerthauses, bezeichnete es erst vor einigen Monaten rückblickend als wichtige Wegmarke der Geschichte politischen Musiktheaters im deutschsprachigen Raum – und empfahl das Werk jungen Menschen als hervorragenden Einstieg in die Welt der Neuen Musik: Paul Dessaus Brecht-Oper «Die Verurteilung des Lukullus» (1951).
Ein wenig im Schatten dieses Werks steht Dessaus «Lanzelot» von 1969, ein (dennoch damals nicht wirkungslos gebliebenes) Spätwerk des 1979 in Königs Wusterhausen bei Berlin verstorbenen Komponisten und Dirigenten.
Schlendert man heute über den Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte, so weht einen unmittelbar der Hauch der Geschichte an. Hier liegen – unweit von Hegel und Fichte – Brecht, Eisler, DDR-Hymnen-Texter Becher, Heiner Müller – und Dessau. Hans Werner Henze (1926–2012), den Dessau in der Nachkriegszeit vom im Grunde schon beschlossenen Suizid abhielt, wird im CD-Booklet der vorliegenden «audite»-Produktion des «Lanzelots» mit seiner Schilderung des Tages von Dessaus Beerdigung zitiert. Auf kluge Weise holt uns ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Arno Lücker
Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte...
Wir alle kennen die Arbeiten von Barrie Kosky. Und die meisten von uns lieben seine Produktionen. Koskys zehnjährige Intendanz an der Komischen Oper wurde geprägt von gefeierten Wiederentdeckungen und quietschbunten Produktionen; häufig mit dem Choreografen Otto Pichler an seiner (tänzerischen) Seite. Und wer bei den Aufführungen von Koskys Inszenierungen von...
Von Venedig nach Neapel: Nach Cavallis «La Calisto» zeigt das Teatro alla Scala nun «Li zite ’ngalera» (Die Verlobten auf der Galeere) von Leonardo Vinci und fügt seiner Auseinandersetzung mit dem Barockmusiktheater ein Stück hinzu, das bisher im Mailänder Spielplan fehlte. Bei Vincis Oper handelt es sich um eine Commedia per musica – die erste, deren Manuskript...
