Zauberhaft
Ein gemeiner Gesell ist dieser Amor. Stiftet überall dort, wohin ihn seine Flügel tragen, komplette Verwirrung, verbandelt Menschen miteinander, die sich zuvor am liebsten die Augen ausgekratzt hätten, sorgt momentweise für erotisches Unbehagen selbst bei soignierten Damen, die ihr Herz doch eigentlich an den Mann ihrer Träume verloren zu haben schienen, und lässt die Protagonisten der Liebe zwischendrin immer wieder sanft in Morpheus’ Arme gleiten, um sie beim Aufwachen mit völlig veränderten Konstellationen zu konfrontieren. So wohl sieht die Macht der Überredung aus.
Und so klingt sie auch. Nur eben höchst sublim.
Dass ausgerechnet Benjamin Britten die zartesten, schönsten Töne für Shakespeares Komödie «A Midsummer Night’s Dream» gefunden hat, überrascht auf den ersten Blick. Abgesehen vom urkomischen «Albert Herring» und der Königin-Oper «Gloriana» hatte Britten bevorzugt die schwachen, ausgegrenzten, mit gesellschaftlichen Realitäten überforderten (und diesen ausgelieferten) Kreaturen im Blick: Billy Budd, Peter Grimes, die Gouvernante in «Turn of the Screw». In seinem «Sommernachtstraum» hingegen malt der britische Komponist das Reich der Göttin Nyx in den sanftesten und ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Jürgen Otten
Insel der Glückseligen? Das Bild, das wir zu Beginn des dritten Aufzugs sehen, verheißt diesbezüglich wenig Gutes. Johannes Leiackers karge, von Olaf Winter raffiniert ausgeleuchtete Schwarzweiß-Bühne definiert Kareols Küste vielmehr als Ort einsamen Sterbens, als Gegenentwurf zu einer irgendwie gearteten positiven Utopie. Zerborstene Bruchstücke jener riesigen...
Als das weitläufige Kulturzentrum, das seinen Namen trägt, im Februar 2017 den Betrieb aufnahm, war Stavros Niarchos schon 21 Jahre tot. Nach dem Krieg, in den 1950ern und 1960ern, hatte der in Athen aufgewachsene Unternehmer mit einer günstig erworbenen und weltweit eingesetzten Schiffsflotte, zu der zeitweilig 80 Tanker gehörten, Milliarden verdient. Wie sein...
Als Tatjana Gürbaca Ende 2008 in Mainz erstmals Jules Massenets Opéra-comique «Manon» inszenierte, stand über der Besprechung in dieser Zeitschrift: «Koks und Nutten». Gut zehn Jahre später hat die Regisseurin diesen Aufstieg und Fall einer Kurtisane in fünf Akten am Staatstheater Nürnberg erneut realisiert – und der alte Titel passt leider immer noch. Will...
