Zauberhaft
Ein gemeiner Gesell ist dieser Amor. Stiftet überall dort, wohin ihn seine Flügel tragen, komplette Verwirrung, verbandelt Menschen miteinander, die sich zuvor am liebsten die Augen ausgekratzt hätten, sorgt momentweise für erotisches Unbehagen selbst bei soignierten Damen, die ihr Herz doch eigentlich an den Mann ihrer Träume verloren zu haben schienen, und lässt die Protagonisten der Liebe zwischendrin immer wieder sanft in Morpheus’ Arme gleiten, um sie beim Aufwachen mit völlig veränderten Konstellationen zu konfrontieren. So wohl sieht die Macht der Überredung aus.
Und so klingt sie auch. Nur eben höchst sublim.
Dass ausgerechnet Benjamin Britten die zartesten, schönsten Töne für Shakespeares Komödie «A Midsummer Night’s Dream» gefunden hat, überrascht auf den ersten Blick. Abgesehen vom urkomischen «Albert Herring» und der Königin-Oper «Gloriana» hatte Britten bevorzugt die schwachen, ausgegrenzten, mit gesellschaftlichen Realitäten überforderten (und diesen ausgelieferten) Kreaturen im Blick: Billy Budd, Peter Grimes, die Gouvernante in «Turn of the Screw». In seinem «Sommernachtstraum» hingegen malt der britische Komponist das Reich der Göttin Nyx in den sanftesten und ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Jürgen Otten
Wer in Verdis «Don Carlos» auf der Bühne den Wald von Fontainebleau, das Kloster San Yuste, den Platz vor der Kathedrale in Valladolid, das Zimmer des Königs oder Carlos’ Gefängnis erwartet, sitzt in Roland Schwabs Inszenierung im falschen Film. Der Blick trifft auf die nackten Betonwände eines fahl von kaltem Neonlicht beleuchteten Autotunnels, dessen Fluchtpunkt...
Als Tatjana Gürbaca Ende 2008 in Mainz erstmals Jules Massenets Opéra-comique «Manon» inszenierte, stand über der Besprechung in dieser Zeitschrift: «Koks und Nutten». Gut zehn Jahre später hat die Regisseurin diesen Aufstieg und Fall einer Kurtisane in fünf Akten am Staatstheater Nürnberg erneut realisiert – und der alte Titel passt leider immer noch. Will...
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...
