Ins Vergessen vertrieben
Die attraktive junge Frau mit der schwarzen Mähne wirft sich der Musik nachgerade körperlich in die Arme: Mit Leidenschaft singt Sara Hershkowitz Lieder von Philip Herschkowitz. Der Komponist war gebürtiger Rumäne, die Familie der in Los Angeles geborenen Sängerin hat ebenfalls ihre Wurzeln dort. Doch ob und wie beide verwandt sind, weiß die Sopranistin nicht. «Es könnte sein, dass er der Neffe meines Urgroßvaters war», sagt sie. Jedenfalls begab sie sich auf Spurensuche, die unter anderem zu einem Konzert im Gedenken an Philip Herschkowitz im Januar in Wien führte.
Auf Herschkowitz könnte ohne Weiteres das dem Schriftsteller Alfred Polgar zugeschriebene Bonmot passen, mancher habe Opern und Sinfonien geschrieben und lebe doch nur in einer Fußnote weiter. Geschuldet ist dies fatalen Umständen. Denn Herschkowitz (1906-1989), von Anton Webern als «hervorragende kompositorische Begabung» empfohlen, wurde Opfer politischer Verhältnisse, und zwar gleich doppelt – erst des Nationalsozialismus, dann des Stalinismus. Opern und Sinfonien hat er nicht geschrieben, aber Kammermusik und Lieder vom Feinsten (was sich davon in seinem Nachlass erhalten hat, liegt nun vor allem in der ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Gerhard Persché
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