Ab ins Kloster
Im Mittelalter waren Klöster Träger der Zivilisation, Bewahrer antiken Wissens, Inseln von Bildung in einem Meer des Analphabetismus. Wer im Kloster lebte, hatte es nicht am Schlechtesten getroffen, war versorgt, einigermaßen sicher, geborgen in einer Gemeinschaft. Schon im Zeitalter der Aufklärung muss das lange vorbei gewesen sein. Mit seinem 1917 entstandenen Operneinakter «Suor Angelica» wollte Puccini die für ihn höchste Form der Liebe, die Mutterliebe, ehren. Er schuf aber auch ein eindringliches Dokument über die geistige Erstarrung, die hinter Klostermauern herrschte.
Die Handlung ist grässlich: Angelica wird gezwungen, Nonne zu werden. Erst nach sieben Jahren erfährt sie, dass ihr uneheliches Kind gestorben ist. In höchster Verzweiflung mixt sie einen Gifttrank – und darf noch glücklich sein, dass die Gottesmutter sie vor der ewigen Verdammnis rettet, die ihr als Selbstmörderin gedroht hätte. Zwänge allerorten, permanente Schuldgefühle, schlechtes Gewissen, immer wird Reue gefordert.
Eignet sich ein solcher Stoff für Nachwuchsmusiker? Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker sind dieser Meinung und führten das Stück – für das sich Puccini vom Klosterleben seiner ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Udo Badelt
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