Zauber ohne Tricks
Die Zauberin bedarf keines illusionistischen Blendwerks. Keiner üppig wuchernden Zauberinsel, keines Tricks, abgelegte Liebhaber in Tiere zu verwandeln. Alcina selbst ist der Zauber. Ihre Magie leitet sich aus der gewinnenden Offenheit ihres Liebens, der Echtheit ihrer Empfindungen, der Leichtigkeit und Anmut ihres Seins her. Die Zauberin erschuf eine Welt, deren sensualistisch durchpulste Friedsamkeit freilich nicht von Dauer ist. Womöglich gar nicht sein kann.
Der Regisseur Felix Schrödinger fragt angesichts solcher Vergänglichkeit weder nach Schuld oder Unschuld noch nach Gut oder Böse. Moral bleibt außen vor. Alcina und ihre Insel behalten Gültigkeit, obschon sich Liebhaber Ruggiero letztlich gegen die Zauberin entscheidet. In Detmold braucht es zu diesem Verdikt keines Gegenzaubers durch den von Melisso dargereichten, das Eiland samt seiner Reize als Schreckensort vorgaukelnden Ring. Die Macht gesellschaftlicher Konvention in Gestalt des Intimus, der sitzengelassenen Verlobten und ihres Bruders reicht völlig hin. Schrödinger nimmt diesen Rückzug ins Herkömmliche sine ira et studio zur Kenntnis. Sein Mitempfinden gehört vielmehr der die weite Spanne zwischen der anfänglichen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 69
von Michael Kaminski
Es begann 2004, als Thomas Hampson beim «Heidelberger Frühling» mit Mahlers «Wunderhorn»-Liedern debütierte und man sich daran erinnerte, dass Achim von Arnim und Clemens Brentano die Texte für ihre erste Ausgabe ausgerechnet in der Stadt am Neckar gesammelt hatten. Der 200. Jahrestag bot den willkommenen Anlass für erste Meisterkurse mit dem US-amerikanischen...
War Operette nicht schon immer ein bisschen B-Movie? In ihren besten Fällen hat sie auf diese Weise so manches A-Movie-Musiktheater ganz unkorrekt überholt. Ob das auch für Alexander R. Schweiß’ (Musik) und Lena Reißners (Text) «B-Movie-Pulp-Operette» mit dem Titel «The Bat Bomb!» gilt, muss noch offenbleiben. Der link zum unbestrittenen Meisterwerk der Gattung ist...
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges...
