Zauber ohne Tricks
Die Zauberin bedarf keines illusionistischen Blendwerks. Keiner üppig wuchernden Zauberinsel, keines Tricks, abgelegte Liebhaber in Tiere zu verwandeln. Alcina selbst ist der Zauber. Ihre Magie leitet sich aus der gewinnenden Offenheit ihres Liebens, der Echtheit ihrer Empfindungen, der Leichtigkeit und Anmut ihres Seins her. Die Zauberin erschuf eine Welt, deren sensualistisch durchpulste Friedsamkeit freilich nicht von Dauer ist. Womöglich gar nicht sein kann.
Der Regisseur Felix Schrödinger fragt angesichts solcher Vergänglichkeit weder nach Schuld oder Unschuld noch nach Gut oder Böse. Moral bleibt außen vor. Alcina und ihre Insel behalten Gültigkeit, obschon sich Liebhaber Ruggiero letztlich gegen die Zauberin entscheidet. In Detmold braucht es zu diesem Verdikt keines Gegenzaubers durch den von Melisso dargereichten, das Eiland samt seiner Reize als Schreckensort vorgaukelnden Ring. Die Macht gesellschaftlicher Konvention in Gestalt des Intimus, der sitzengelassenen Verlobten und ihres Bruders reicht völlig hin. Schrödinger nimmt diesen Rückzug ins Herkömmliche sine ira et studio zur Kenntnis. Sein Mitempfinden gehört vielmehr der die weite Spanne zwischen der anfänglichen ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 69
von Michael Kaminski
Draußen vor der Tür, im Park, plappert ein ganzes Vogelvolk, drinnen, in der Kantine der Deutschen Oper am Rhein, klappern nur die Gläser und Flaschen. Für die hehre Kunst hegt der dort wirkende Mitarbeiter des Hauses, zumindest dem Anschein nach, nur sehr bedingt tiefere Gefühle, aber was soll er tun, irgendjemand muss ja den Kram vom Vorabend wegräumen. Selbst...
Gioachino Rossinis «Tancredi» ist auf den Spielplänen nicht häufig zu finden. Dabei markierte das 1813 uraufgeführte Melodramma eroico für den 20-Jährigen einen Durchbruch sowie den Aufstieg in die erste Liga der Opernkomponisten Europas. Die berühmte Arie des Titelhelden «Di tanti palpiti» ist in Italien bis heute ein volkstümlicher Hit und auch in Galakonzerten...
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges...
