Puppentheater
Strawinskys einzige abendfüllende Oper mit dem furchterregenden Untertitel «Werdegang eines Wüstlings» basiert auf der gleichnamigen Bilderserie von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert. Deren unerhörter Erfolg mag gerade auch durch die Abwesenheit von höheren Mächten begründet sein. Zwei maßvoll fromme englische Librettisten hatten dann anscheinend riesiges Vergnügen daran, eine verführerische Teufelsfigur ein -zubauen, wo vorher bereits die allgemeine Schlechtigkeit der Menschen, namentlich des Titelhelden, als Motor ausreichte.
Wystan Hugh Auden und Chester Kallman gaben dem Geschehen auch sonst manche Anspielung auf Himmel und Hölle. Eine künstlerische, keine moralische Entscheidung.
Mephistophelische Figuren aber stehen einem Bühnenwerk gut. So ist es nun ein gewisser Nick Shadow, der Reichtum gegen Seele anbietet. Tunichtgut Tom Rakewell bringt sein Vermögen dennoch zweimal durch, landet im Schuldturm und schließlich im Irrenhaus. Auch dem Komponisten lag dieses Zurückdrehen ins Faustische und Mysterienspielhafte. Er plante «The Rake’s Progress», 1951 in Venedig uraufgeführt, mit Cembalo für die Rezitative und klassischer Nummernabfolge – jedenfalls spielte er damit, ...
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Opernwelt August 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Judith von Sternburg
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Unverwechselbar
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