Zärtliche Momente

Rosa Feola und Carlo Rizzi zaubern neue Lied-Juwelen aus Donizettis Schatzkammer

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Nach einem halben Jahr kommt wieder ein Korb voller Überraschungen aus London: mit dem siebten Album der Gesamtaufnahme von Donizettis Sololiedern. Für den krönenden Abschluss des Opera Rara-Projekts fehlt nur noch eine Aufnahme;  diese sollte im Herbst erscheinen.

Man stelle sich vor, kürzlich habe eine Spürnase in einem abgelegenen Kloster 15 völlig unbekannte Lieder Franz Schuberts gefunden. Die Sensation wäre perfekt. Den im selben Jahr 1797 geborenen Donizetti misst das Musikleben mit anderen Maßstäben.

Der Bergamasker gilt als Vielschreiber, obwohl er – gemessen an der Zeitspanne aktiven Komponierens (17 Jahre bei Schubert, 34 bei Donizetti) – nicht frenetischer arbeitete als sein Wiener Kollege. Deshalb keine Schlagzeile für den «scoop», der Roger Parker, dem Doyen der britischen Opernforschung, gelungen ist: Im oberösterreichischen Kremsmünster machte er mehr als ein Dutzend Lieder Donizettis ausfindig, die bisher in keinem Werkverzeichnis standen.

Auf der vorliegenden CD kann man in «Licandro pastorello» ein besonders aufregendes Exemplar dieser Neufunde bewundern, mit einem hinreißenden – wieder drängt sich der Vergleich mit Schubert auf – Balancieren auf dem schmalen ...

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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Anselm Gerhard

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