Die Oper seines Lebens

Jörg Handsteins fesselnde Hörbiographie Giacomo Puccinis

Opernwelt - Logo

Ist es eine bittere Ironie der Geschichte, dass Puccinis qualvolles Ende im Grunde ein veristischer Opernstoff ist, ganz ähnlich wie der Komponist ihn mehrfach während seines Lebens einfühlsam, immer aber auch mit der Lust des Voyeurs für die Bühne vertont hatte? Die Torturen der Kehlkopf-Operationen, die Gewissheit der Brüsseler Ärzte zunächst, ihn geheilt zu haben, dann die Krise, schließlich die Katastrophe – alles dokumentiert auf Zetteln, mit denen sich der Komponist, der nach einem Luftröhrenschnitt nicht mehr sprechen konnte, seiner Umgebung mitteilte: ein großes Drama.

Dann auch noch die letzten Worte mit zittriger Hand gekritzelt: «Elvira, arme Frau, zu Ende». Elvira, das war seine Gattin, mit der er über Jahrzehnte in kleinen und größeren Kriegen verbunden gewesen war. Wie sich hier Mitleid, ein letztes Mal aber auch ein Selbstgefühl äußert, das Puccini lebenslang auszeichnete: eine große Szene. Keiner hätte sie besser vertonen könne als er. Wir sehen Mimì vor dem inneren Auge, Cio-Cio San, Liù. Alles Frauen, die der Komponist auf der Bühne sterben ließ, dass es einem das Herz zerreißt. Wenn Jörg Handstein in seiner Hörbiographie nun den Bericht vom Hinscheiden Puccinis ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Medien, Seite 46
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Speil, Spaß und das reale Leben

Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)

Kinder denken oft in...

Lizenz zum Punk-sein

Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre...

Gazellen im Koloraturgebirge

Zu den Stillen im Lande zählt sie ganz gewiss nicht. Marina Viotti liebt die Selbstinszenierung, den Rollentausch, das Wandelbare. Es genügt, um das zu wissen, ein Blick in ihre wechselvolle Vita. Nach einem Flötenstudium wandte sich Viotti den Gattungen Jazz, Gospel und Heavy Metal zu, absolvierte dann ein Philosophie- und Literaturstudium, bevor sie sich dazu...