Ganz schön naiv
Markus Lüpertz ist ein Bildkünstler mit unverkennbarer Handschrift und ein Original mit tiefer Liebe zum Musiktheater. Damit hat er schon einmal mehr Qualitäten versammelt als das Gros der aktuell angesagten Moderegisseure. Freilich ist damit allein noch keine Spitzenklasse garantiert, und auch dieses «Rheingold» lässt mindestens hinsichtlich der Personenführung Fragen offen. Da macht sich der Meister gar nichts daraus, Wagners Personal fast durchweg rampenparallel agieren zu lassen, und auch ges -tisch-mimische Feinheiten sind weniger angesagt.
Doch gerade so – die Bühnenwelt kann paradox sein – entfaltet sich ein lebhaftes Spiel symbolischer Verkürzungen und Verdichtungen. Güldene Flügelhelme für die Götterwelt wie anno dunnemals; Riesen, die auf klobigen Kothurnen und in Holzfällerkluft mit kindskopfgroßen Gürtelschnallen hereinstapfen; Alberichs Riesenwurm- und Kröte-Metamorphosen in puppentheatralischer Direktheit und die Regenbogenbrücke im Finale als kreischend bunter Stofflappen über Fasolts mannshohem, polternd von der Seite hereingerolltem Kopf … Natürlich steckt in solch lockerer Kinder-Naivität immer auch ein Stück hintergründiger Ironie; doch die demonstrative ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Gerald Felber
Nach dem mächtigen Impuls der letzten Spielzeit, als sich die Staatstheater in Karlsruhe, Meiningen und Schwerin der von Sturm, Meereswogen und menschlichen Leidenschaften durchbrausten dritten Oper von Ethel Smyth angenommen hatten, reüssieren «The Wreckers» nun ein weiteres Mal. Nicht aber im Deutsch der Leipziger Uraufführung von 1906, sondern, wie drei Jahre...
Die Botschaft ist eindeutig: «Beautiful, beautiful, beautiful!», singen sechs elegant gekleidete Herren mit Fliege und Hosenträger. Wie die Geier umkreisen sie eine Frau, die an einem grell beleuchteten Schminktisch sitzt und weint. Ihr ikonisches Konterfei? Die platinblonde, in voluminösen Wellen gestylte Bobfrisur und ein knallroter Kussmund lassen keine Zweifel...
Gut sehen tue ich schlecht, aber schlecht hören tue ich gut»: Was spitze Zungen zuweilen als angebliches Kriterium für die Aufnahme in die Zunft der Musikkritik nennen, bildet im Falle der «Pirates of Penzance» die Grundbedingung des Stücks. Zumindest zu 50 Prozent. Weil nämlich Ruth, einst Kinderfrau in einem respektablen englischen Haushalt, nicht besonders gute...
