Yes, she can
Das ging den New Yorker Verlegern und Broadway-Produzenten dann doch etwas zu weit: Ein Neger will eine Oper schreiben! Sicher, 1911 war Scott Joplin ein national bekannter Pianist, der «King of Ragtime», der mit «The Entertainer» oder dem «Maple Leaf Rag» echte Hits gelandet hatte – doch für den Vorstoß eines Farbigen ins seriöse Musiktheater-Genre war die Zeit einfach noch nicht reif. Nichtsdestotrotz hielt Joplin an seinem Traum fest, ließ einen Klavierauszug auf eigene Kosten drucken, organisierte eine Privataufführung in Harlem.
Dennoch fand sich kein Finanzier für «Treemonisha», bis der Komponist 1917 an der Syphilis starb. Erst als der Kinofilm «Der Coup» mit Robert Redford und Paul Newman den Ragtime ins öffentliche Bewusstsein zurückkatapultierte, kam es 1975 zur szenischen Uraufführung an der Houston Grand Opera.
Die Fachwelt staunte: 24 Jahre vor «Porgy and Bess» wurden hier bereits die Lebensbedingungen der Afroamerikaner in den USA thematisiert. Anders als Gershwins Meisterwerk spielt Joplins Oper nicht in einem städtischen Slum, sondern auf dem Land, doch auch hier geht es um Aberglauben und falsche Hoffnungen, um Assimilation und schwarzes Selbstbewusstsein. Und in ...
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Wie für viele deutsche Theater traf auch für die Dresdner Semperoper der Begriff «Stunde null» nicht nur in ideologischem, sondern auch in ganz praktischem Sinn zu. Die Staatskapelle war in den nahen Kurort Bad Brambach evakuiert worden, die Sänger waren in alle Winde zerstreut, und selbst ein intaktes Ensemble hätte sich in der zerstörten Stadt zunächst einmal...
«Questo è il fin di qui fà mal», so ende, wer Böses tue, singen die sechs Übriggebliebenen am Schluss von Mozarts «Don Giovanni» (Prager Version). Im Publikum der Uraufführung im Nationaltheater zu Prag am 29. Oktober 1787 saß einer, der das vermeintlich Üble solchen Tuns kaum nachvollziehen konnte: Giacomo Girolamo Casanova, Chevalier de Seingalt, zu dieser Zeit...
Die Problemgeschichte eines Werkes ist manchmal ebenso hartnäckig wie der Wunsch nach einer glatten dramaturgischen Lösung. Glucks «Orpheus» ist dafür ein besonders eindringliches Beispiel: ausgehend von der Wiener Fassung 1762 über die Parma-Version von 1769, bei der die Altkastraten-Partie durch einen Soprankastraten ersetzt wurde, bis hin zur Pariser Fassung von...
