Buntes Welttheater

Lübeck: Adès: The Tempest

Opernwelt - Logo

Zu einer deutschen Erstaufführung hatte es diesmal nicht gereicht, da war Frankfurt den Lübeckern zuvorgekommen, aber immerhin zu einer norddeutschen. Und zu dem Beweis, dass sich die 2005 in London uraufgeführte und seither nur an großen Bühnen erprobte Shakespeare-Adaption «The Tempest» von Thomas Adès durchaus auch als Repertoirestück für kleinere Häuser eignet. Wenn – ja wenn sie ein so auf den Punkt besetztes Ensemble zusammenbringen und einen so originellen, gleichzeitig werkbezogenen Regieansatz präsentieren können, wie das die Hansestädter an der Trave vermochten.



Regisseur Reto Nickler fand die richtige Balance zwischen gewichtigem Zauberspiel und federleichter Komödie. Auf dem von Hartmut Schörghofer entworfenen, weit in Richtung Zuschauerraum vorgezogenen Bühnenrund entfaltete er auf Prosperos Insel ein fantasievolles Strandleben in der Art einer Ferienkolonie. Doch auch die dunklen Schicksalstöne des Stücks kommen nicht zu kurz. Buntes Welttheater, vom brillant choreografierten orchestralen Sturm-Vorspiel (Martina Wüst) über gekonnt ausgemalte Kontraste in der Personenführung zwischen Komödiantik und Melancholie bis hin zum poesievollen Entsagungsschluss. Eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2010
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Menetekel des Untergangs

Bernhard Langs «Musiktheater für 6 Stimmen, Chor, Jazz-Combo, Turntables, Ensemble und Zuspielung» mit dem sprechenden Titel «Montezuma – Fallender Adler» sollte 2009 in Linz uraufgeführt werden. Dann bekamen die Programm-Verantwortlichen des dortigen «Kulturhauptstadtjahres» kalte Füße und ließen das Projekt fallen. Bequem ist Langs Musik nicht, verfügt mit ihrem...

Behauptungswille

Die großen alten Mythen wie Medea oder Phädra (um zwei aktuelle Beispiele zu nennen) haben derzeit Konjunktur auf der Opernbühne, und die Literaturoper, die einen literarischen oder theatralen Text mehr oder weniger eins zu eins in Musik zu übersetzen sucht, ist nach wie vor dominant. Jörg Widmann und Roland Schimmelpfennig sind in ihrem Werk den anderen,...

Virtuell und virtuos

Die Hürde jeder «Tannhäuser»-Auffüh­rung steht am Anfang. Für den Venusberg hat Wagner zunächst eine brave Version geschrieben, die sich ganz an den Dialog hält: Der sinnessatte Minnesänger versucht zu Rezitativischem und einem erweiterten Weber-Orchester von der Göttin der Liebe loszukommen. Später, für Paris, komponierte Wagner an dieser Stelle viel Musik dazu,...