Sergei Morozov, Aleksandra Alekseeva, Valentin Schwarz, Andrea Cozzi, Barbora Horáková-Joly, Cornelia Schmidt. Foto: Lupi Spuma
Wunderkammer
Münchhausen hat auf allen Linien gesiegt, alternative Wahrheiten scheinen angesagt. Doch eigentlich müssten Theaterleute abwinken. Denn die Manipulation von Fakten gehört seit je zu den unverzichtbaren Jetons des theatralischen Spiels mit der Realität; letztlich bleibt bloß die Frage nach der Priorität. Auf solche fake news hoben denn auch Valentin Schwarz (A) und Andrea Cozzi (I) beim diesjährigen «Ring Award» mit dem ersten Akt von Donizettis «Don Pasquale» ab.
Sie beschworen Parallelwelten, in denen Verrücktheit zur Wirklichkeit wird und die Titelfigur mit ihren Neurosen und Trugbildern einer feindlichen Realität gegenübersteht. Als Spielplatz wählten sie freilich nicht das Oval Office, sondern eine opulent-groteske Wunderkammer voller künstlerischer, wissenschaftlicher und mystischer Objekte. Und eben diese Wunderkammer ließ nicht nur das (dem Team zum Teil wohl freundschaftlich verbundene) Publikum in Enthusiasmus ausbrechen, sondern überzeugte auch die Ring Award-Jury, die den historisch-reflektierten Ansatz, die aufeinanderprallenden Welten und nicht zuletzt den flotten Slapstick pries. Schwarz und Cozzi holten sich nicht nur den Hauptpreis, sondern auch zahlreiche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Anfang ist schon alles vorbei: Das Personal von Aribert Reimanns «Gespenstersonate» nach August Strindberg liegt in der neuen Produktion der Staatsoper in der Schiller-Theater-Werkstatt am Boden. Bis ein junger Mann hereinstürzt, der Student Arkenholz – nun regen sich die Toten, raffen ihre alten Rollen zusammen, um sie noch einmal zu spielen.
Otto Katzameier,...
Schon während der Aufführung fragt man sich, warum eigentlich dieses 1890 in Turin uraufgeführte Werk nicht in den Spielplänen auftaucht. Liegt es daran, dass der 1893 im Alter von nur 39 Jahren verstorbene Alfredo Catalani zwischen den beiden Schwergewichten Verdi und Puccini erdrückt wurde? Oder an der Vermessenheit, einen so eminent deutschen Stoff wie die...
Das vielleicht Schönste an dieser Premiere ist die Rückkehr zum Wichtigsten. Zur nie endenden Diskussion darüber, wie Giuseppe Verdis «Otello» musikalisch beizukommen sei, genauer: wie der ideale Titelheld klingen sollte. Kompositorische Absicht und Rezeptionsgeschichte, die vokale Situation anno 1887 und die Herausbildung eines Geschmacks, in dem das Klangstahlbad...
