Sergei Morozov, Aleksandra Alekseeva, Valentin Schwarz, Andrea Cozzi, Barbora Horáková-Joly, Cornelia Schmidt. Foto: Lupi Spuma
Wunderkammer
Münchhausen hat auf allen Linien gesiegt, alternative Wahrheiten scheinen angesagt. Doch eigentlich müssten Theaterleute abwinken. Denn die Manipulation von Fakten gehört seit je zu den unverzichtbaren Jetons des theatralischen Spiels mit der Realität; letztlich bleibt bloß die Frage nach der Priorität. Auf solche fake news hoben denn auch Valentin Schwarz (A) und Andrea Cozzi (I) beim diesjährigen «Ring Award» mit dem ersten Akt von Donizettis «Don Pasquale» ab.
Sie beschworen Parallelwelten, in denen Verrücktheit zur Wirklichkeit wird und die Titelfigur mit ihren Neurosen und Trugbildern einer feindlichen Realität gegenübersteht. Als Spielplatz wählten sie freilich nicht das Oval Office, sondern eine opulent-groteske Wunderkammer voller künstlerischer, wissenschaftlicher und mystischer Objekte. Und eben diese Wunderkammer ließ nicht nur das (dem Team zum Teil wohl freundschaftlich verbundene) Publikum in Enthusiasmus ausbrechen, sondern überzeugte auch die Ring Award-Jury, die den historisch-reflektierten Ansatz, die aufeinanderprallenden Welten und nicht zuletzt den flotten Slapstick pries. Schwarz und Cozzi holten sich nicht nur den Hauptpreis, sondern auch zahlreiche ...
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Ein biografischer Bezug? Den gibt es sogar im Fall von Oberammergau. 1871 reiste Richard Wagner zum Passionsspiel, ließ sich fürs eigene Œuvre inspirieren, von der Landschaft hinreißen. «Hier ist alles über jede Beschreibung hinaus schön», notierte er. Doch eigentlich braucht das Holzschnitzerdorf, inmitten der alle zehn Jahre stattfindenden Kreuzigungsspektakel,...
Eine indische Frau kann auch ohne roten Bindi auf der Stirn schön sein, wenn sie Olga Peretyatko heißt (die freilich neuerdings auch den Namen ihres italienischen Dirigentengatten Michele Mariotti führt) und über einen eleganten, kraftvollen Sopran verfügt. Dass die dramatisch überzeichneten Koloraturen nicht recht passen wollen zu einer Priesterin, fällt dabei...
Es gibt Opernhäuser, die wollen schon von außen zeigen, wie bedeutend sie sind – Palermos Teatro Massimo gehört zweifelsohne zu ihnen. Eine monumentale Freitreppe führt zu einem neoklassizistischen Portikus, der von sechs hoch aufragenden korinthischen Säulen getragen und von zwei bronzenen Löwen bewacht wird. Eine mächtige Kuppel überspannt den Zuschauerraum (für...
