Wuchtiges Oratorium
Manchmal sind Inhaltsangaben im Programmheft unverzichtbar. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Und manchmal stiften sie nur Verwirrung. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Beides ist auf die Inszenierung von Marcus Lobbes zurückzuführen, der mit seiner Variante von Kagels «Der mündliche Verrat» zum Freiburger Spielzeitauftakt die Rituale des Theaterbetriebs höchst originell – und okkult – ins Visier genommen hatte. Dieses Mal versagt seine Originalität.
Ein Einheitsraum (Bühne: Dirk Becker), Dekonstruktion der Stückdramaturgie und ein konsequentes Negieren von Verdis musikalischer Affektsprache sind die Insignien dieser Deutung. Ein Traumspiel? Vielleicht. Eine Vermittlung der Konzeption bleiben Regie und Dramaturgie (Dominica Volkert) gleichermaßen schuldig.
Erkennbar ist nur so viel: Boccanegras Gifttrank markiert die Peripetie der Aufführung. Zuvor ereignet sich das Geschehen in den bunten, originellen Kostümen Victoria Behrs, die jedem Fantasy-Film zur Ehre gereichten. Danach tragen alle Zivil – schwarze Gegenwartskleidung. Oratorisch bleibt die Regie, der man mit etwas bösem Willen den Tatbestand groben Unfugs unterstellen könnte, allemal.
Was der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Siegmund und Sieglinde finden sich in einem Vorort New Yorks, Wotan ist Ober-Börsianer, die Götter geben die Statthalter einer zerfallenden Luxusgesellschaft, die Walküren flanieren auf dem Catwalk zu Bildern aus Francis Ford Coppolas Kinoklassiker «Apocalypse Now». Zur «Walküre» im Theater der Stadt Koblenz wird viel Bekanntes, aus alten Produktionen Stammendes...
Herr Uusitalo, bei der «Walküren»-Premiere an der Wiener Staatsoper versagte Ihnen im letzten Jahr auf offener Bühne die Stimme. Was fühlt man in so einem Moment?
Für mich war das natürlich ein ziemlicher Schock. Ich hatte geglaubt, ich könnte das schaffen, obwohl ich krank war – auch weil der Arzt mir grünes Licht gegeben hatte. Aber das war etwas zu optimistisch,...
Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...
