Wolken am Firmament
Das «Urlicht» glimmt noch, aber Samuel Hasselhorn, der mit dem gleichnamigen Album und Orchesterliedern von Mahler, Korngold, Zemlinsky und Braunfels kürzlich erst Furore machte (berechtigter Lohn war die Kür zur «CD des Monats»), bewegt sich bereits wieder in den Gefilden der frühen Romantik, einer ihm zutiefst vertrauten ästhetischen Landschaft: «Licht und Schatten» ist seine neue CD übertitelt, sie greift damit die genuin Schubertische Dialektik aus «Lachen und Weinen» auf.
15 Lieder, einige davon am Rande des Kanons beheimatet, hat der Bariton ausgesucht und sie mit seinem Pianisten Ammiel Bushakevitz zu einem Panorama der Introspektion gebündelt. Doch kein verzärtelter, in sich verpuppter, hyperempfindsam-larmoyanter Künstler tritt uns hier entgegen. Es ist der zu allem entschlossene, mitteilungsbereite, zwischen den Extremen hin und her pendelnde Weltenwanderer. Und das schon im ersten Lied «Die junge Nonne» auf Verse von Jacob Nicolaus Craigher de Jachelutta (eines Zeitgenossen Schuberts), in dem die Titelfigur dem äußeren Brausen das innere Aufgewühlt-Sein beinahe trotzig entgegensetzt. Hasselhorn «verkörpert» die Irrungen und Wirrungen dieser verwundeten Seele, ihr ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Medien, Seite 25
von Jürgen Otten
Dieser Mephisto kommt mir nicht ins Haus!», rief Bertel Braunfels, die Gattin des Komponisten, voller Vorahnung aus, als Adolf Hitler 1920 nach einem Besuch der «Vögel» an Walter Braunfels herangetreten war. Der spätere «Führer» wünschte sich eine Hymne für seine frisch gegründete Partei und hielt den Namen «Braunfels» für urdeutsch, doch der Komponist lehnte ab....
Zur Zeit der ersten Aufführungen von Giuseppe Verdis «La forza del destino» in Petersburg (1862) und Mailand (1869, in umgearbeiteter Fassung) war das Orchestervorspiel die Schwelle zwischen der gesellschaftlichen Realität und dem ersten Sängerauftritt: Die wenig geachtete Instrumentalmusik diente der Beruhigung der erhitzten Körper und entfesselten Mundwerke; was...
Am Jakominiplatz nachts um halb eins. Die letzten Straßenbahnen und Busse schleichen über die eingelassenen Gleise, vor dem ehemaligen Dorotheum, das seit einigen Jahren ein angesagtes Boutique-Hotel beherbergt, warten Taxis auf Kunden, einzelne Passanten schlendern rauchend in Richtung Opernring. 200 Meter weiter, am Kaiser-Josef-Platz, blickt man in erleuchtete...
