Urbi et orbi
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
Im oberen Fenster eines bunt bemalten Fachwerkhauses klebt ein selbstgebasteltes Pappschild: «Für die Vielfalt! Gegen rechts!». Hildesheim ist ein kleines Juwel der Fachwerkarchitektur. Neben einer mühevoll wiederaufgebauten Innenstadt, die diesbezüglich im Zweiten Weltkrieg einen großen Bestand eingebüßt hat, gibt es ganze Straßenzüge mit erhaltenen, aufwendig verzierten Fassaden, Rosenbüschen und Laternen. Dazwischen sind kleine liebevolle politische Bekenntnisse versteckt. Hildesheim ist klein. Nicht winzig, aber klein.
Eine katholische Enklave im protestantischen Niedersachsen. Zudem ein Hochschulstandort, wo ästhetische Praxis erforscht und gelehrt wird, genauso wie Design, Kunst und Soziologie. Wem muss man hier erklären, was Theater bedeutet? Und doch ziert die ersten Seiten des Spielzeithefts – für die meisten Opernhäuser der heilige Gral der Außenkommunikation – eine Liebeserklärung an die Darstellenden Künste: warum sie wichtig sind für die Gegenwart, für die Demokratie, für Hildesheim. Angelegt ist diese Einladung nicht nur in unterschiedlichen, sondern auch in leichter Sprache. Alle sind willkommen. Und bei der Vielfalt an Gastspielen im gesamten Bundesland, die das ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Landpartie, Seite 52
von Anna Chernomordik
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
Kein Geisterschiff bringt in Martin G. Bergers Inszenierung des «Fliegenden Holländers» das Unheimliche an Land – das Grauen wird vielmehr aus der Tiefe geholt, mittels einer Bohrung in die verborgenen psychologischen Abgründe der Figuren. In Wiesbaden bekommt Wagners Oper eine Vorgeschichte. Als das Publikum eintritt, wird auf der Bühne bereits gefeiert: Alle...
Der Schock sitzt bei denen, die sie kannten, nach wie vor tief. Im Juni vergangenen Jahres erlag die belgische Sopranistin Jodie Devos einem Krebsleiden, im Alter von nur 35 Jahren. Florian Sempey hat ihr nun sein neues Album mit Arien, Szenen, Duetten und Chören von Grétry, Gounod, Thomas, Donizetti, Tschaikowsky, Wagner, Orff und anderen zugeeignet – eine schöne...
