Frieden gibt es nur im Jenseits
Da drob’n auf der goldenen Himmelbastei, / da sitzt unser Herrgott ganz munter / und trinkt a Glas Wein oder zwei oder drei / und schaut auf die Wienerstadt runter»: So sang es einst Georg Kreisler in seinem Lied «Der Tod, das muss ein Wiener sein». Im Januar ist er an der Volksoper wie an der Staatsoper wieder einmal eingezogen, allerdings in unterschiedlichen Zusammenhängen und Schattierungen.
Bleiben wir gleich beim himmlischen Glaserl: In vino veritas! Die alten Ägypter haben zwar eher das Bier geschätzt, doch erstens verzichtet die neue «Zauberflöte» an der Staatsoper fast völlig auf ägyptisch-freimaurerisches Brimborium, und zweitens sind wir eben «nicht in München oder Prag», wie es Papagena (Ilia Staple) einmal anmerkt, als sie ihrem künftigen Gatten zur Strafe das kredenzt, was man in Wien «a Noagal Fensterschwitz» genannt hätte oder ein «Affenbrunzlert»: ein übel abgestandenes Bier.
Natürlich ist die Dialogzeile ein Insidergag, augenzwinkernder Verweis auf den bajuwarischen Papageno und die tschechische Regisseurin. Gleichwohl spielt der Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle in Barbora Horákovás Deutung – nicht nur Tamino betritt durch die Tür mit der Aufschrift ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Walter Weidringer
Das «Urlicht» glimmt noch, aber Samuel Hasselhorn, der mit dem gleichnamigen Album und Orchesterliedern von Mahler, Korngold, Zemlinsky und Braunfels kürzlich erst Furore machte (berechtigter Lohn war die Kür zur «CD des Monats»), bewegt sich bereits wieder in den Gefilden der frühen Romantik, einer ihm zutiefst vertrauten ästhetischen Landschaft: «Licht und...
Im oberen Fenster eines bunt bemalten Fachwerkhauses klebt ein selbstgebasteltes Pappschild: «Für die Vielfalt! Gegen rechts!». Hildesheim ist ein kleines Juwel der Fachwerkarchitektur. Neben einer mühevoll wiederaufgebauten Innenstadt, die diesbezüglich im Zweiten Weltkrieg einen großen Bestand eingebüßt hat, gibt es ganze Straßenzüge mit erhaltenen, aufwendig...
Im alten Reclam-Heftchen mit dem Text der «Meistersinger», das im Besitz seiner Familie war, stand bei Evchens Worten im dritten Aufzug: «O Sachs! Mein Freund! Du teurer Mann!» eine handschriftliche Regieanweisung. Sein Vater hatte sie dort an den Rand gekritzelt – und sie galt als verbindlich für den kleinen Otto und seine Schwester beim frühen Besuch von Wagners...
