Frieden gibt es nur im Jenseits
Da drob’n auf der goldenen Himmelbastei, / da sitzt unser Herrgott ganz munter / und trinkt a Glas Wein oder zwei oder drei / und schaut auf die Wienerstadt runter»: So sang es einst Georg Kreisler in seinem Lied «Der Tod, das muss ein Wiener sein». Im Januar ist er an der Volksoper wie an der Staatsoper wieder einmal eingezogen, allerdings in unterschiedlichen Zusammenhängen und Schattierungen.
Bleiben wir gleich beim himmlischen Glaserl: In vino veritas! Die alten Ägypter haben zwar eher das Bier geschätzt, doch erstens verzichtet die neue «Zauberflöte» an der Staatsoper fast völlig auf ägyptisch-freimaurerisches Brimborium, und zweitens sind wir eben «nicht in München oder Prag», wie es Papagena (Ilia Staple) einmal anmerkt, als sie ihrem künftigen Gatten zur Strafe das kredenzt, was man in Wien «a Noagal Fensterschwitz» genannt hätte oder ein «Affenbrunzlert»: ein übel abgestandenes Bier.
Natürlich ist die Dialogzeile ein Insidergag, augenzwinkernder Verweis auf den bajuwarischen Papageno und die tschechische Regisseurin. Gleichwohl spielt der Alkohol eine nicht unerhebliche Rolle in Barbora Horákovás Deutung – nicht nur Tamino betritt durch die Tür mit der Aufschrift ...
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Opernwelt März 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Walter Weidringer
Gesundheitsapostel hat es schon vor 100 Jahren gegeben. Einer der schlimmsten: Graf Gil, männliche Hauptperson in Wolf-Ferraris Intermezzo «Il segreto di Susanna», uraufgeführt 1909. Der Herr hasst das Qualmen, selbst auf der Straße fühlt er sich vom Tabaksgeruch belästigt, und im eigenen Haus nimmt seine Überempfindlichkeit ehegefährdende Dimensionen an, vermutet...
Die Feststellung, dass Spiritualität vereint, Religion hingegen trennt, gilt nicht erst seit den verheerenden Attentaten religiöser Fanatiker in unserer Zeit. Schon immer fanden sich Konfessionen politisch missbraucht, wurden sie im Sinne von Machtgewinn und -erhaltung bewirtschaftet. Ob freilich Oliver Cromwell (1599–1658) ein Machtpolitiker war, der Gott zu...
Herr Fioroni, in seinem Roman «Herkunft» beschreibt Saša Stanišić sehr anschaulich, wie polyvalent und widersprüchlich der Begriff ist. Auch bei Ihnen scheint das der Fall zu sein: Dem Namen nach würde man einen Italiener vermuten, aber Sie sind Schweizer und in Deutschland aufgewachsen. Das klingt nach einer polyglotten Identität …
Das stimmt. Identität und...
