Wohnzimmerfest
Den nationalen Theaterpreis «Goldene Maske» öffentlich zu verleihen, wie es bislang 28 Mal üblich war, ist in Krisenzeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Man weiß in Russland um die starken emotionalen Reaktionen der Theatermacher und kann sich ausmalen, wie sie bei ihren Bühnenauftritten in der einen oder anderen Form ihren Protest gegen den Krieg zum Ausdruck bringen würden. Deshalb fand die ganze Zeremonie vor leerem Saal im Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko statt, was dem Abend einen mehr als zweideutigen Charakter verlieh.
Dazu kam, dass die Preisträgerinnen und Preisträger «aus dem Haus» zugeschaltet wurden (entweder aus dem Theater selbst oder aus ihrer Wohnung) und in T-Shirts und Jeans nicht gerade feierlich anzusehen waren. Natürlich gebrauchte keiner von ihnen das verbotene Wort «Krieg» oder prangerte Putin an, aber oft fiel der Begriff der «schweren Zeiten»; man müsse «einen Rest seines Verstandes retten», und nur die Theaterarbeit verleihe die nötige Kraft, um zu «überleben». Der Liebling des Publikums, der Schauspielregisseur Dmitri Krymow (er ist in die USA ausgereist) bat darum, seinen Preis dem Nobelpreisträger Dmitri Muratow zu geben, damit ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Alexej Parin
Die Hagener Koppelung von Puccinis Einakter «Suor Angelica» mit Outi Tarkiainens «A Room of One’s Own», der ersten, nun uraufgeführten Oper der 1985 geborenen finnischen Komponistin, zu einem Doppelabend mochte zunächst befremdlich wirken. Zwischen dem wahnhaft verklärten, gleichsam der Realität entzogenen Selbstmord der Nonne Angelica und dem musiktheatralen Essay...
Das Glück? Gleicht ein bisschen dem Mond. Allzu selten erscheint es in vollem Glanze, und dann auch nur für Augenblicke, bevor es wieder abnimmt, Stück für Stück, und schließlich wie von Geisterhand verschwunden ist, im Irgendwo, dort also, wo man es nicht findet, selbst wenn man sich auf die Suche danach begibt. Für Jenůfa ist diese Abwesenheit von Glück der...
Es war die Renaissance des romantischen und des klassischen Belcanto-Repertoires, die seit Beginn der 1960er-Jahre zur Nachfrage nach wendigen Mezzo- und Altstimmen führte – insbesondere für etliche der zentralen Partien von Gioachino Rossini, dessen Opern in den sechs, sieben Jahrzehnten zuvor Opfer der Tradition, also der «Schlamperei» (Gustav Mahler), geworden...
