Weiter, immer weiter
Das Statement ist klar und kommt ohne Umschweife: «Was mich an der Arbeit auf der Bühne interessiert: Ich will selbst glauben an die Beziehungen der Figuren untereinander», sagt Cornelia Beskow gleich zu Beginn des Gesprächs. Und die gemeinsame Suche aller nach diesem Beziehungsgeflecht ist ihr wichtig: «Wenn meine Kollegen diese Mission teilen, können wir zusammen eine gute und glaubhafte Geschichte erzählen – und nur darum geht es letztlich.
»
Wie also schafft es Jenůfa, ihrer Pflegemutter den Mord an ihrem Baby und ihrem späteren Bräutigam Laca die Verunstaltung ihres Gesichtes zu verzeihen? Warum bleibt Senta dem ersehnten Holländer gegenüber so misstrauisch? Welche Dynamik entwickelt sich zwischen Tatjana und Onegin? Warum bloß will Donna Elvira ihren Don Giovanni nicht loslassen? Erst, wenn während der Probenarbeit auf derlei Fragen eine authentische Antwort gefunden ist, fühlt sie sich sicher, eine überzeugende Vorstellung geben zu können. So wie mit Julia Bullock zum Beispiel als Küsterin in der Osloer «Jenůfa» (OW 05/2022). Oder mit Nina Stemme, deren Brünnhilde ihre Sieglinde in Wagners «Walküre» davon abhielt, Selbstmord zu begehen.
Dass sie ihren Beruf zuerst vom ...
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Opernwelt 7 2022
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Stephan Knies
Der Dunst der Dekadenz schwebt über den üppig orchestrierten Klängen des Italo Montemezzi. «L'amore dei tre re» atmet die Schwüle des Fin de Siècle. Am 10. April 1913 wurde das Poema tragico an der Mailänder Scala gleichwohl zu einem Uraufführungstriumph, der kurz darauf vom Erfolg der (von Arturo Toscanini an der Met dirigierten) USA-Premiere noch übertroffen...
Es war die Renaissance des romantischen und des klassischen Belcanto-Repertoires, die seit Beginn der 1960er-Jahre zur Nachfrage nach wendigen Mezzo- und Altstimmen führte – insbesondere für etliche der zentralen Partien von Gioachino Rossini, dessen Opern in den sechs, sieben Jahrzehnten zuvor Opfer der Tradition, also der «Schlamperei» (Gustav Mahler), geworden...
Bei Betrachtung der Vorab-Fotos hatte man noch gebangt. Santa Cecilia als kettenrauchendes, männerverschlingendes Biest? In einem Kleid, das aussah wie ein Opernzitat, eng geschnitten und mit folkloristischen Applikationen? Doch eine Carmen wird die Bartoli uns und sich wohl auf ewig ersparen – in Sevilla, so das Motto ihrer diesjährigen Pfingstfestspiele, sind...
