Wohin das Denken so treibt

Kaum mehr als ein Sammelsurium: Jens Joneleits «Metanoia» an der Berliner Staatsoper

Ehre sei den Provisorien. Ohne die wäre vieles im Laufe der Musikgeschichte gar nicht zustande gekommen. Strawinskys «Histoire du Soldat» beispielsweise. Eine ganze Opernästhetik basierte wortwörtlich auf einer winzigen Behelfsbühne: dem «Nudelbrett» der Darmstädter Orangerie in der überaus kreativen Ära Harro Dicks vor dem Umzug ins neue Staatstheater. Begrenzung kann durchaus zu qualitativer Entgrenzung führen.

Und wie oft wurde bei den Donaueschinger Musiktagen über die Unzulänglichkeiten von Donauhalle A und B, der Baar-Sporthalle – oder in Köln über die des «großen» WDR-Sendesaals (mit 750 Plätzen!) geklagt. Doch welch epochale Uraufführungen und Konzerte haben sich dort unter alles andere als optimalen Bedingungen ereignet! Ja, es gibt gute Gründe, der Beseitigung des Unzulänglichen zu misstrauen. Lange, allzu lange litt das wunderbare Festival im lothringischen Metz unter ungenügenden Räumlichkeiten. Als endlich der prächtige «Arsenal»-Konzertsaal des katalanischen Postmoderne-Stararchitekten Ricardo Bofill zur Verfügung stand, wurden die «Rencontres» bald eingestellt. Man konnte darin einen weiteren Beleg für die These vom neo-Potemkinschen Zeitalter sehen: Gehäuse und ...

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Opernwelt November 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Gerhard R. Koch

Vergriffen
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Der Glaube an die bewusstseinsverändernde Kraft des Theaters hat seine besten Tage hinter sich. Die aristotelische Katharsis, das Lessing’sche Vertrauen in die sittliche Wirkung der Empathie, der Schiller’sche Ruf nach der Schaubühne als moralischer Anstalt – all das kommt uns heute wie Schnee von gestern vor. Aus vielen Gründen. Vor allem wohl, weil die Bühne...

Geliehene Gefühle

Es sollte der ganz große Wurf werden. Ein Werk, das als erste «Great Australian Opera» in die Geschichte eingehen würde. Vor zehn Jahren wurde es vom wichtigsten Musiktheaterinstitut, Opera Australia, bei Brett Dean, dem prominentesten Komponisten des Fünften Kontinents, in Auftrag gegeben. Nichts weniger als ein Meisterstück erhoffte sich Simone Young, die...

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Ein Geist schwebt über den Wassern. Im glitzernden Leibchen scheint Maura Morales aller Erdenschwere enthoben. «Ein Sturm weht», heißt es zuvor in einer Leuchtschrift, der «Engel der Verzweiflung» hängt nicht einfach in den Seilen, sondern stürzt sich wenig später mal kopfüber, mal kopfunter in ein Geschehen, das ihm am Ende nicht unbedingt gut bekommen soll.

Ein...