Wohin das Denken so treibt
Ehre sei den Provisorien. Ohne die wäre vieles im Laufe der Musikgeschichte gar nicht zustande gekommen. Strawinskys «Histoire du Soldat» beispielsweise. Eine ganze Opernästhetik basierte wortwörtlich auf einer winzigen Behelfsbühne: dem «Nudelbrett» der Darmstädter Orangerie in der überaus kreativen Ära Harro Dicks vor dem Umzug ins neue Staatstheater. Begrenzung kann durchaus zu qualitativer Entgrenzung führen.
Und wie oft wurde bei den Donaueschinger Musiktagen über die Unzulänglichkeiten von Donauhalle A und B, der Baar-Sporthalle – oder in Köln über die des «großen» WDR-Sendesaals (mit 750 Plätzen!) geklagt. Doch welch epochale Uraufführungen und Konzerte haben sich dort unter alles andere als optimalen Bedingungen ereignet! Ja, es gibt gute Gründe, der Beseitigung des Unzulänglichen zu misstrauen. Lange, allzu lange litt das wunderbare Festival im lothringischen Metz unter ungenügenden Räumlichkeiten. Als endlich der prächtige «Arsenal»-Konzertsaal des katalanischen Postmoderne-Stararchitekten Ricardo Bofill zur Verfügung stand, wurden die «Rencontres» bald eingestellt. Man konnte darin einen weiteren Beleg für die These vom neo-Potemkinschen Zeitalter sehen: Gehäuse und ...
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«Es ist doch lange hergebracht, dass in der großen Welt man kleine Welten macht», sagt Mephistopheles in der Walpurgisnacht-Szene von Goethes «Faust». Ob Balázs Kovalik, Regisseur von Arrigo Boitos Goethe-Konzentrat «Mefistofele» (mit der Premiere im September an der Budapester Staatsoper), diesen Satz vor Augen hatte, als er den Titelhelden sich beim Hexensabbat...
Seit Jahrhunderten ist der Gotthard zentrale Verbindung durch die Alpen in Richtung Süden. Heute gehört der dortige Tunnel zu den Selbstverständlichkeiten von Millionen Urlaubern. Schlagzeilen darüber gibt es nur selten, es sei denn ein Unfall löst, wie 2001 Brände aus. Damals starben elf Menschen. In früheren Zeiten, als an einen Tunnel noch nicht zu denken...
Vatermord, Folter, Nekrophilie, Wahnsinn – Andrea Lorenzo Scartazzinis Oper «Wut» führt in eine düstere, hoffnungslose Welt. Das Stück des 1971 in Basel geborenen Schülers von Rudolf Kelterborn und Wolfgang Rihm wurde im September 2006 am Theater Erfurt uraufgeführt (siehe OW 11/2006). Nun stellte das Stadttheater Bern das Werk in der Schweiz vor. Zu Grunde liegt...
