Wogender Schwung
Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und salzhaltige Meerluft die expressive Bauskulptur umtosen, wird sich zeigen. Wichtig ist, was drinnen passiert.
Seit gut einem Jahr ist mit der Berufung von Davide Livermore als Nachfolger der nach Korruptionsvorwürfen entlassenen Intendantin Helga Schmidt (die, als die öffentlichen Gelder noch sprudelten, internationalen Glanz an die Costa del Azahar gebracht hatte) wieder Ruhe eingekehrt. Trotz geschrumpfter Etats will Livermore sozial und in die Gesellschaft wirken, da gleicht er den meisten Chefs deutscher Stadttheater: «Kultur ist kein Luxusgut, sie ist die Grundlage unserer Zivilgesellschaft. Und genau das will ich den Politikern und Menschen der Region klarmachen», sagte er kürzlich einer Regionalzeitung. Künstlerisch bleiben die Ziele hochgesteckt.
Und bei der jüngsten Premiere, Mozarts «Idomeneo», hat er mit der Position des ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Götz Thieme
Die Thesen des amerikanischen Politologen Samuel Huntington vom «Clash of Civilizations», dem eskalierenden Konflikt zwischen dem «Westen» und der islamischen Welt, sind zwar nach den Pariser und Brüsseler Anschlägen kaum hinfällig geworden, bleiben aber in ihrer pauschalen Polarität wenig produktiv. Gleichwohl verschärfen sich weltweit die Gegensätze zwischen...
Neben der Leipziger Oper steht das Kroch-Hochhaus (1928), auf dem der antik-barocke Spruch prangt: «Omnia vincit labor», Arbeit besiegt alles: Gegenthese zum bekannteren «omnia vincit amor», die Liebe besiegt alles. Dass in der protestantischen Bürgerstadt puritanisches Arbeitsethos hochgehalten wird, verwundert kaum. Für die Barockoper freilich, zentral für die...
Wiesbadens Theater, exemplarische Fellner & Helmer-Neorenaissance (1894), und die von Wilhelm II. 1896 in seiner Sommerfrische lancierten Maifestspiele zeugten von Belle Epoque-Nostalgie. Diesmal freilich wiesen die Zeichen gleich doppelt nach vorn: Auf Zimmermanns epochale «Soldaten» (siehe Seite 18) folgte die Uraufführung von Helmut Oehrings «Agota?» mit der...
