Das Monster Mensch
Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien, der zunehmenden Paranoia.
Der regieführende Vieleskönner Kirill Serebrennikov nimmt dabei auch Mengeles menschenverachtend-sadistisches «Wirken» als Arzt des KZ Auschwitz in den Blick, wechselt aber, um die Drastik zu erhöhen, von der scharfgeschnittenen Schwarzweißtechnik zu Bildern in satten Farben, gedreht aus der Perspektive eines Soldaten, der die Resultate von Mengeles «Forschung» festhält. Eines von dessen liebsten Spielchen war es, Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen aus den ankommenden Zügen auszusortieren. Wenn jetzt in der Volksbühne Berlin die kleinwüchsige Schauspielerin Saioa Alvarez Ruiz eine Hakenkreuz-Armbinde anlegt und in die Rolle Mengeles schlüpft, um im Brustton der Selbstgewissheit von dessen maßstabsetzenden Experimenten mit «Behinderten» zu berichten, dann ist das an Perfidie ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
Aktueller kann Oper kaum sein: Vor gerade mal einem halben Jahr erschien die deutsche Übersetzung von Colum MacCanns «American Mother», und bereits Ende Mai kam die Uraufführung der gleichnamigen Oper im Hagener Theater heraus. Das Libretto schrieb der hochdekorierte, in Irland geborene und in New York lebende Buchautor selbst für die britische Komponistin...
Das Misstrauen des Regisseurs ist groß gegenüber dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss. Im Programmheft zur neuen Produktion in Hannover berichtet Christian Stückl, gebürtiger Oberammergauer, Intendant des Münchner Volkstheaters und für 2030 erneut als Spielleiter für die Passionsfestspiele in seinem Heimatort vorgesehen, von seinen Schwierigkeiten, in dieser...
