Das Monster Mensch

Florentina Holzinger mischt die Tanz-Musik-Theater-Szene gehörig auf. Auch mit ihrem Abend «A Year without Summer» an der Berliner Volksbühne mutet sie dem Publikum einiges zu

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Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien, der zunehmenden Paranoia.

Der regieführende Vieleskönner Kirill Serebrennikov nimmt dabei auch Mengeles menschenverachtend-sadistisches «Wirken» als Arzt des KZ Auschwitz in den Blick, wechselt aber, um die Drastik zu erhöhen, von der scharfgeschnittenen Schwarzweißtechnik zu Bildern in satten Farben, gedreht aus der Perspektive eines Soldaten, der die Resultate von Mengeles «Forschung» festhält. Eines von dessen liebsten Spielchen war es, Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen aus den ankommenden Zügen auszusortieren. Wenn jetzt in der Volksbühne Berlin die kleinwüchsige Schauspielerin Saioa Alvarez Ruiz eine Hakenkreuz-Armbinde anlegt und in die Rolle Mengeles schlüpft, um im Brustton der Selbstgewissheit von dessen maßstabsetzenden Experimenten mit «Behinderten» zu berichten, dann ist das an Perfidie ...

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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Jürgen Otten

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