Schimpfen und Kaspern

Adès: The Tempest KASSEL | STAATSTHEATER

Opernwelt - Logo

Bald lautet das Motto fürs Kasseler Opernhaus «Und nu ist zu!». Es wird saniert, mehrere Jahre lang. Musiktheater gibt es in der Ausweichspielstätte mit dem passend-schönen Namen «Interim». Mal abwarten, ob das Ganze keine Dauerlösung wird ...

Indes war es konsequent, mit der letzten Premiere im baufälligen Haus Julia Lwowski zu beauftragen, die sich schon oft als überaus kreative Abrissbirne des Opernbetriebs erwiesen hat. Diesmal arbeitet sie sich an Thomas Adès’ 2004 uraufgeführter Shakepeare-Vertonung «The Tempest» ab.

Und wie! Bereits vor Beginn trudelt eine verhaltensauffällige weibliche Person durchs Foyer und macht die Besucher an. Wir begegnen ihr bald wieder, es handelt sich um die Hexe Sycorax, die bei Shakespeare unsichtbar bleibt. Lwowski verleiht ihr eine Stimme. Gina Lisa Maiwald wütet, schimpft und kaspert sich durch den Abend, zeitweise wird sie zur Hauptfigur, während das bekannte «Team» gebildet wird – vom auf eine einsame Insel verbannten Prospero (Filippo Bettoschi mit schönem Bariton), seiner Tocher Miranda (mit hell-sanftem Timbre: Maren Engelhardt), den in sie verliebten Ferdinand (auch vokal liebestoll: Diego Godoy), Luftgeist Ariel (Marie-Dominique ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Jörn Florian Fuchs

Weitere Beiträge
Die Hölle Ehe

Der Plan war beinahe genial: eine Opiumhöhle in San Franciscos Chinatown. Der zwielichtige Inhaber Cim-Fen will sich in der Stadt nach oben kämpfen, gerät auf die schiefe Bahn, entführt ein Kind, wird zum Mörder des Nebenbuhlers, muss alles mit dem Leben bezahlen, und mittendrin Jonas Kaufmann. So hatte man sich dies an der Bayerischen Staatsoper eigentlich gedacht...

Eine Art kreativer Exorzismus

Katzenvideos gehen immer. Im Foyer des Theaters Kiel sitzt man an diesem Abend in gemütlichen Sesseln und etwas abgewetzten Sofas beieinander und genießt Cat-Content der jüngeren Pop-Kultur. «Meeeow!», maunzt ein junges Kätzchen in die Kamera. Mit ein paar Beats, Gitarrenakkorden und sehr viel auto tune wird ein Song daraus – der virale Hit «I go meow» des...

Unbezwingbar

Bis vor einiger Zeit gab es sie nur als Sacerdotessa: Auf Antonio Pappanos 2015 veröffentlichter «Aida» mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann ließ Eleonora Buratto ihren feinen, doch reichhaltigen Sopran vernehmen – und aufhorchen. Damals singspielte sie sich noch durchs lyrische Leben, mit Donna Anna, Fiordiligi oder Liù. Spätestens im Mai 2024 dann, als...