Ein Spiel - aber kein gutes
Im «Peking» ist die Hölle los. Die gleichnamige Stadt aus Puccinis Oper hat sich in ein Casino irgendwo in den Vereinigten Staaten von Amerika verwandelt. Plastikjetons fliegen durch die Luft, Geldscheine wechseln im Eiltempo den Besitzer oder die Besitzerin, Anzüglichkeiten vieler Arten machen die schlüpfrige Runde. Ein Hauch von Las Vegas und seinem fragwürdigen Schillern, verbunden mit dem Schmutz der Schlachthinterhöfe, macht sich breit, Lust, Liebe und Leid liegen hier unausweichlich nebeneinander. «Turandot» einmal anders. Ganz anders.
Verantwortlich dafür zeichnet – in Personalunion als Regisseur und sein eigener Ausstatter – Gianluca Falaschi, der sich in einem Akt kühner kultureller Aneignung fast sämtlicher Exotismen entledigt hat und nun ein Stück über das Leben und den Tod zeigt, sowie über die Frivolitäten, die in beiden Bereichen an der Tagesordnung sind. Alles hier ist flüchtig, selbst die Brutalität. Jene Prinzen, die in der Original-Oper noch anreisten, um die Gunst der Eisprinzessin zu gewinnen, sind auch nicht mehr als verrohte Verlierer à la Nicholas Cage in Mike Figgis’ Film «Leaving Las Vegas», denen hier aber bald schon der Kopf abgeschlagen wird, weil sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Jürgen Otten
Auf den Titelblättern der Programmhefte dieser beiden Musiktheater-Novitäten prangt (sie sind im selben Hellrot wie das Schriftlogo «Staatsoper Hamburg» gesetzt) eine Zahl, die Bände sprechen soll. Eine «22» für Unsuks Chins «Die dunkle Seite des Mondes», eine «23» für Rodolphe Bruneau-Boulmiers «Die Illusionen des William Mallory». Das Leitungsduo des Hauses an...
Katzenvideos gehen immer. Im Foyer des Theaters Kiel sitzt man an diesem Abend in gemütlichen Sesseln und etwas abgewetzten Sofas beieinander und genießt Cat-Content der jüngeren Pop-Kultur. «Meeeow!», maunzt ein junges Kätzchen in die Kamera. Mit ein paar Beats, Gitarrenakkorden und sehr viel auto tune wird ein Song daraus – der virale Hit «I go meow» des...
Der Mann war ein Unhold. Ihm mit Kunst zu «begegnen», darf als Wagnis gelten – welches aber, obschon auf verschiedenste Weise, gelingen kann. Bei den Filmfestspielen in Cannes kam Mitte Mai ein Film heraus, der vom «Verschwinden des Josef Mengele» erzählt – zunächst von dessen Flucht nach Südamerika, dem geheimen Besuch der BRD, von seiner Hochzeit in Argentinien,...
