Willkommen im Gefängnis der Ehe
Die Komische Oper bemüht sich neuerdings auffällig, Kontinuität in der Tradition ihres Hauses herauszustellen. Während man auf Symposien über die Gemeinsamkeiten von Calixto Bieito und Walter Felsenstein diskutieren lässt und der Pausengast um Bronzetafeln zur Geschichte des Hauses und die Büste des Gründers nicht mehr herumkommt, inszeniert Andreas Homoki jene «Fledermaus» neu, mit der das Musiktheater an der Behrenstraße vor sechzig Jahren eröffnet wurde.
Doch anders als Felsensteins glitzernde Wiener Revuefilm-Ästhetik, die auf seinen Frankfurter und Berliner Sensationserfolgen von 1934 und 1935 basierte, von Goebbels beklatscht und ins Kulturprogramm der Olympiade 1936 aufgenommen wurde, verlegt Ausstatter Wolfgang Gussmann nun die Komische Oper (Felsenstein hatte die Gattungsbezeichnung der «Fledermaus» nach dem Partiturerstdruck richtig gestellt) ins «Raub der Sabinerinnen»-Milieu eines wilhelminischen Schwanks. Gefängnisdirektor Frank und Rentier Eisenstein gieren wie ausgehungerte Unrats-Professoren nach feschen Lolas in Schnürmieder und Rüschenhöschen. Dass der Mittelstand bei seinen Ausbruchsversuchen zwangsläufig immer wieder bei der eigenen Gattin nebst Stubenmädchen ...
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Die Inszenierung von Giorgio Battistellis «Prova d’orchestra» am Stadttheater Bern stellt bereits die siebte Neuproduktion dieses mittlerweile zwölf Jahre alten Werks dar. Weitere sind geplant. Was macht das Stück derart populär? Ist es Fellinis bildmächtiger Film aus dem Jahr 1978 oder die oft illustrative Zugänglichkeit von Battistellis Musik? Für den neuen...
Eine ziemlich degenerierte Gesellschaft sind sie schon, diese Götter: Wotan, der ständig abwiegelnde smarte Schwächling; Fricka, sein moralinsaures Eheweib; Donner, der aufbrausende Hohlkopf; Froh, der eitle Fant. Anthony Pilavachi arbeitet, zum Teil in zusätzlich eingefügten stummen Begegnungen, mit seinen Darstellern scharfe Charakterporträts heraus und führt sie...
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
