Willkommen im Gefängnis der Ehe

Berlin, Strauß: Die Fledermaus

Opernwelt - Logo

Die Komische Oper bemüht sich neuerdings auffällig, Kontinuität in der Tradition ihres Hauses herauszustellen. Während man auf Symposien über die Gemeinsamkeiten von Calixto Bieito und Walter Felsenstein diskutieren lässt und der Pausengast um Bronzetafeln zur Geschichte des Hauses und die Büste des Gründers nicht mehr herumkommt, inszeniert Andreas Homoki jene «Fledermaus» neu, mit der das Musiktheater an der Behrenstraße vor sechzig Jahren eröffnet wurde.

Doch anders als Felsensteins glitzernde Wiener Revuefilm-Ästhetik, die auf seinen Frankfurter und Berliner Sensationserfolgen von 1934 und 1935 basierte, von Goebbels beklatscht und ins Kulturprogramm der Olympiade 1936 aufgenommen wurde, verlegt Ausstatter Wolfgang Gussmann nun die Komische Oper (Felsenstein hatte die Gattungsbezeichnung der «Fledermaus» nach dem Partiturerstdruck richtig gestellt) ins «Raub der Sabinerinnen»-Milieu eines wilhelminischen Schwanks. Gefängnisdirektor Frank und Rentier Eisenstein gieren wie ausgehungerte Unrats-Professoren nach feschen Lolas in Schnürmieder und Rüschen­höschen. Dass der Mittelstand bei seinen Ausbruchsversuchen zwangsläufig immer wieder bei der eigenen Gattin nebst Stubenmädchen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wiederbelebungsversuch

Einst war Franz von Suppés «Fatinitza» (1876) mit 1200 Aufführungen allein in Wien ein Renner. 1904/05 schaffte sie es an den Broadway – allerdings nur einen Monat lang: 34 Aufführungen. Suppés «Komische Oper» (der Volksmund hat sich angewöhnt, die Spezies «Operette» zu nennen – die kleine Oper des zu Wohlstand gekommenen Kleinen Mannes, der sich mit seinen...

Editorial

Vor zehn Jahren erschien die erste «Opernwelt»-CD. Die Reihe, die seitdem entstanden ist, kann sich sehen und vor allem hören lassen. Immer standen Sängerinnen und Sänger im Mittelpunkt, die von der Plattenindustrie kaum oder einseitig wahrgenommen wurden. Immer haben wir Konzepte mit den Künstlern gemeinsam entwickelt, dabei nicht selten auf verborgene Schätze aus...

Ein echter Allround-Künstler

Er war eine wahrhaft bühnensprengende Persönlichkeit. Wer den Bariton Thomas Tipton einmal live erlebt hat, wird sich nicht nur an seine machtvolle Stimme erinnern, sondern auch an sein überbordendes schauspielerisches Ausdrucksvermögen, das der Leidensfähigkeit eines Rigoletto oder eines Macbeth ebenso überzeugend gerecht wurde wie der abgründigen Bosheit eines...