Sängerfest
Zwei literarische Quellen, die anno 1818 in Venedig vor dem Hintergrund des Systems Metternich politisch opportun waren, standen Pate für Gaetano Donizettis erste szenisch aufgeführte Oper, den heroischen Zweiakter «Enrico di Borgogna»: August von Kotzebues Drama «Der Graf von Burgund» und Pietro Metastasios Erfolgslibretto «Il re pastore». Beide Vorlagen behandeln beliebte Sujets jener Epoche der Restauration, in der man mit Vorliebe die Wiedereinsetzung rechtmäßiger Regenten betrieb, die ein frevlerischer Usurpator (sprich: Napoleon) vom Thron vertrieben hatte.
In diesem Geist fabrizierte auch der Librettist Bartolomeo Merelli, ein Schüler von Donizettis Lehrer Johann Simon Mayr, ein pro-habsburgisches Propagandastück mit sentimentaler Nebenhandlung und Anklängen an Wienerische Hanswurstiaden, verkörpert durch die Narrenfigur des Gilberto. Dessen ausgedehnte «Weiberarie» («È la donna un gran volume») klingt wie ein Remake von Lorenzo da Pontes «Aprite un po’ quegli occhi» aus Mozarts «Le nozze di Figaro». Die Vertonung kündet durchaus von der Originalität des jungen Donizetti, auch wenn im Detail die Nähe zu Mozarts Orchesterbehandlung deutlich wird.
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Carlo Vitali
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