Letzte Bastion
Die 1823 in Venedig uraufgeführte «Semiramide» ist die letzte, größte und – mit fast vier Stunden Spieldauer – längste Oper, die Rossini für Italien schrieb. Das verworrene Sujet um die babylonische Königin Semiramis, die mit Hilfe ihres Geliebten Assur ihren Gatten Nino getötet hat und an seiner Stelle regiert, bevor schließlich ihr Sohn Arsace den Vater rächt, gehört zu den meistvertonten Stoffen der Operngeschichte.
Dramaturgisch versackt das Stück mit seinen operntypischen Intrigen irgendwo zwischen blassem Klassizismus und schauriger Prä-Romantik, fesselt als emotionales Hörtheater aber für einen langen Abend. Seit der Wiederbelebung durch Joan Sutherland und Marylin Horne in den 1960er-Jahren sind zahlreiche, meist mehr oder minder gekürzte Studioeinspielungen und Livemitschnitte erschienen. Sie alle toppt jetzt die ungekürzte Aufnahme durch die Londoner Opera Rara Society, die sich in den 40 Jahren ihres Bestehens große Verdienste um die Wiederentdeckung vergessener Meisterwerke des frühen 19. Jahrhunderts erworben hat.
Als absolutes Plus gegenüber der diskografischen Konkurrenz so bewährter Rossini-Dirigenten wie Alberto Zedda oder Antonino Fogliani erweist sich dabei die ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Ein «begnadeter Zauderer» sei er, ein «Moralist der Kunst», ein «Grübler und Skeptiker, der alles, was er singt, hinterfragt – auch und vor allem sich selbst und seinen Gesang». Mit diesen Worten hat der Germanist Dieter Borchmeyer vor neun Jahren in einer Laudatio die Persönlichkeit Christian Gerhahers umrissen (siehe OW-Jahrbuch 2010). In der Tat: Es gibt...
Der 1. Oktober 2013 war ein schwarzer Tag im Opernbetrieb der USA. An jenem Dienstag erklärten die Verantwortlichen der New York City Opera die Zahlungsunfähigkeit des Hauses und kündigten die Schließung an. Sieben Jahrzehnte waren damit Geschichte, zugleich war die Abwicklung krasses Sympton einer allgemeinen Krise. Wie die US-amerikanischen Symphonieorchester...
Da steckt Musik drin!, dachte sich Ottorino Respighi schon bei der ersten Lektüre von Gerhart Hauptmanns symbolistischem Märchendrama «Die versunkene Glocke» (1896). Anderen war das schon vorher aufgefallen. Die Vertonung von Heinrich Zöllner (1899) hatte indes nur kurz Erfolg, und Maurice Ravel brachte ein Opernprojekt, mit dem er Debussys «Pelléas» Konkurrenz...
