Wie es Euch gefällt

Tutino: Falscher Verrat
Kiel | Theater

Opernwelt - Logo

Auf den Aufstand der Matrosen ist man in Kiel mächtig stolz. Als Helden einer Erhebung werden sie heute verehrt, die das morsche Kaiserreich zum Einsturz brachte. Als mutige Vorkämpfer der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Der Platz zwischen Hauptbahnhof und Hörn, dem südlichen Hafenbecken, trägt seit 2011 ihren Namen, und in der alten Fischhalle am Wall schlägt einmal mehr ihre Stunde – dank einer episodischen Ausstellung des kleinen Schifffahrtsmuseums über Vorgeschichte, Verlauf und Folgen der Anfang November 1918 an der Förde entzündeten Revolution.

Die Niederdeutsche Bühne feierte die Rebellion auf Platt – mit einem Stück, das Grünen-Chef Robert Habeck gemeinsam mit seiner Frau Andrea Paluch über die Kieler Ereignisse geschrieben hat, in einer von Wolfgang Börnsen (einem CDU-Mann) «übersetzten» Version: «Negenteihn-Achtteihn». Ein paar Wochen später, pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum der Zeitenwende, schob das städtische Theater gar eine neue Oper nach.

Bestellt hatte Intendant Daniel Karasek das Werk bei dem Komponisten Marco Tutino, einem in Italien vielgespielten Eklektiker, der – auf handwerklich hohem Niveau – Melos und Harmonik des Verismo vor den Zumutungen der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Wandererfantasien

Die Herren kennen einander. Natürlich nicht persönlich, Franz Schubert starb bekanntlich 1828, als Ian Bostridges Vorfahren noch gar nicht wussten, dass sie dereinst einen namhaften Liedsänger in ihrer Familie haben würden. Als solcher ist Bostridge seit Langem international anerkannt, zumal auf dem Gebiet der Schubert-Exegese; nicht zuletzt sein Buch über den...

Die Frau vom Meer

Draußen, vor der Tür, die Kälte. Eisige Winde, Regenfäden, grauschwerer Himmel. Drinnen, im Ballettprobensaal, das Gleiche, nur in anderen Farben, Formen, Figuren. Eine Stiefmutter, deren Seele so schwarz ist wie ihr Kleid, zwei Stiefschwestern in blaustrümpfiger Blödheit, mit geflochtenen Zöpfen auf dem Kopf und Gemeinheiten im Gehirn. In ihrer Mitte die...

Lied, Welt, Zeit

Die Zeit. Ein «sonderbar Ding» sei sie, erkennt Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Sie taugt wohl auch als guter Leim, vermag sie doch zur sinnvollen Collage zu verkleben, was a priori nicht unbedingt füreinander geschaffen scheint. Unterschiedliche Lieder etwa wie auf den beiden hier verhandelten Alben. Deren Dramaturgie stellt über die Werke hinaus...