Wichtige Uraufführungen der Saison 23/24
Es geht um Kolonialismus und um Raubbau, den Europäer in Afrika betrieben oder immer noch betreiben: Für das Musiktheater «Justice» taten sich der spanische Komponist Hèctor Parra und der kongolesische Librettist Fiston Mwanz Mujila zusammen. Hinzu kam für die Uraufführung am Grand Théâtre in Genf der politisch denkende Regisseur Milo Rau und mit dem Dirigenten Titus Engel ein Spezialist für Werke der Neuen Musik.
«‹Justice› ist kein Abend eines lauten Aktivismus», schrieb unser Rezensent Egbert Tholl (OW 3/2024), «vielmehr eine hochemotionale Analyse, ist szenischer Essay, der weit über den Ort der Handlung, das kongolesische Kabwe, hinausgeht. Die dortige Katastrophe steht für viele Katastrophen.»
Ein exotisches Instrument verleiht der Musik von Detlev Glanerts neuer Oper «Die Jüdin von Toledo» eine besondere Farbe: die Ud, die arabische Knickhalslaute. Sie wird zu einem klanglichen Symbol für Frieden, Vernunft und Menschlichkeit in einem Stück, das von Macht, Missgunst, aber auch von Liebe erzählt. Mit der Thematisierung von Antisemitismus ist das Werk von brennender Aktualität. Detlev Glanert erfand zum Sujet aus dem alten Spanien eine Musik, die nicht nur von Tragik erzählt, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 76
von
Die Exegese seiner literarischen Texte und Briefe füllt ganze Regale. Kaum ein bedeutender Autor der Moderne wurde so häufig unters Mikroskop gelegt wie Franz Kafka, dessen 100. Todestag wir in diesem Jahr begehen, kaum einer – Samuel Beckett vielleicht ausgenommen – ließ derart viele unterschiedliche, sich zum Teil sogar deutlich widersprechende Deutungen zu....
Søren Kierkegaard könnte helfen. In seinem Traktat «Die Wiederholung» bat er seine Leserinnen und Leser fast inständig darum, nicht an Dingen zu verzweifeln, die immer wieder aufs Neue vor ihnen stünden und sie an die Vergänglichkeit des Seins erinnerten. Man müsse, so der dänische Philosoph, Prosaist und dialektisch begabte, evangelisch-lutherische Theologe (dem...
«Ambur Braid ist eine der ausdrucksvollsten Sängerdarstellerinnen weit und breit: Hochexpressiv ist ihr Sopran, dem bei aller Wucht die Finesse nie abhanden kommt» (OW 8/2024). So schrieb unsere Kritikerin Judith von Sternburg über Braids Auftritt in Jacques Fromental Halévys «La Juive». Die Kanadierin kehrte damit an das Haus zurück, zu dessen Sängerensemble sie...
