Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison
«Ambur Braid ist eine der ausdrucksvollsten Sängerdarstellerinnen weit und breit: Hochexpressiv ist ihr Sopran, dem bei aller Wucht die Finesse nie abhanden kommt» (OW 8/2024). So schrieb unsere Kritikerin Judith von Sternburg über Braids Auftritt in Jacques Fromental Halévys «La Juive». Die Kanadierin kehrte damit an das Haus zurück, zu dessen Sängerensemble sie fünf Jahre lang gehörte bis zur Saison 2022/23: die Frankfurter Oper. Dort hatte sie vor allem als Salome in der Inszenierung von Barrie Kosky beeindruckt.
In der kommenden Saison wird sie in Daniele Rustionis Neuinszenierung von Alban Bergs «Wozzeck» die Marie singen an der Oper Lyon. In dieser Rolle kehrt sie auch zur Canadian Opera Company in Toronto zurück, wo sie einst im Opernstudio eine entscheidende Phase ihrer Ausbildung absolvierte. Im Januar tritt sie in Valencia als Madame Lidoine auf in Francis Poulencs «Dialogues des Carmélites».
Nachdem Albéric Magnards Oper «Guercœur» 2019 vom Theater Osnabrück aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde, zeigte auch die nunmehr erst dritte Inszenierung des Stücks in Strasbourg, wie viel Substanz in ihm steckt. Mittendrin der französische Bariton Stéphane Degout in der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Bilanz des Jahres, Seite 66
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Nicht jedes zeitgenössische Musiktheater ist zwingend auch ein Musiktheater für Zeitgenossen und -genossinnen. Manche Stücke erliegen zu sehr der Ambition, als rein ästhetische Schöpfungen wahrgenommen werden zu wollen; ihnen fehlt der nötige gesellschaftliche Bezug, sie sind, und das nicht unbedingt im besten Sinne des Wortes, L’art pour l’art. Blättert man in...
Ach, wie wäre das schön, gäbe es diese Zeilen: «In der Oper gewesen. Geweint!» Allein, es gibt sie nicht. Das Original klingt etwas anders, es ist hinreichend zitiert. Und beschreibt eine Neigung, die Franz Kafka lange Jahre pflegte. Es war das Kino, das imstande war, ihn, und sei es nur für einige Weltsekunden, zu verzaubern. Nicht die Oper. Und nicht einmal das...
Es ist großartig, John Osborn in einer Verdi-Rolle zu erleben, gerade weil das nicht seine Kernkompetenz ist. Den Alfredo in «La traviata» singt der US-Amerikaner darum so leicht und lyrisch, wie diese Rolle fast nie zu hören ist, es klingt eher französisch als italienisch; kein Schmettern nirgends. Seine Stimme wirkt aber auch nicht anämisch, sondern kernig, dazu...
