Opernhaus des Jahres 2024

Opernwelt - Logo

Søren Kierkegaard könnte helfen. In seinem Traktat «Die Wiederholung» bat er seine Leserinnen und Leser fast inständig darum, nicht an Dingen zu verzweifeln, die immer wieder aufs Neue vor ihnen stünden und sie an die Vergänglichkeit des Seins erinnerten. Man müsse, so der dänische Philosoph, Prosaist und dialektisch begabte, evangelisch-lutherische Theologe (dem wir ja auch einen der gedankenreichsten Essays über Mozarts «Don Giovanni» verdanken), die Courage besitzen, Wiederholung als etwas Schönes zu akzeptieren, als etwas, das zu unserem Dasein zwingend dazugehört.

Legt man diesen Gedanken zugrunde, dann darf man auch die Tatsache, dass die Oper Frankfurt zum dritten Mal hintereinander den Titel «Opernhaus des Jahres» einheimst, als eine genuin positive betrachten. Zumal sich das Haus am Main diesen Titel auch in der abgelaufenen Spielzeit durch eine mutige Stückauswahl, durch eindrückliche Regiehandschriften sowie ein erklecklich hohes musikalisches Niveau verdient hat. Verdeutlicht wird das auch dadurch, dass an der Oper Frankfurt die «Regisseurin des Jahres» (Lydia Steier) inszenierte, dass der Musentempel Ort einer der fünf (!) «Aufführungen des Jahres» war, dass hier der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 4
von

Weitere Beiträge
Die Frage ist: Für wen machen wir das?

Liebe Frau Schmid, liebe Frau Lwowski, lieber Herr Klink, Sie haben die Wahl: Ist das unmögliche Kunstwerk Oper eher eine Quantité négligeable, ein neofeudaler Luxus, eine politisch relevante Kunstform oder vielleicht sogar nur die reine ästhetische Seelenbeglückung?
Nora Schmid: Eine einfache Antwort auf diese Frage kann es nicht geben. Dennoch würde ich spontan...

Freundlich, aber unerbittlich

Den «Parsifal» in Bayreuth zu dirigieren, ist nicht irgendein Engagement. Wagner hat das Stück speziell für den verdeckten Orchestergraben geschrieben und die ganz besondere Akustik des Festspielhauses. Die Aufführungsgeschichte ist voller Kontraste. Was Wagner für die Uraufführung 1882 mit dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi erarbeitete, wurde später vom...

Wichtige Sängerinnen und Sänger der Saison

«Ambur Braid ist eine der ausdrucksvollsten Sängerdarstellerinnen weit und breit: Hochexpressiv ist ihr Sopran, dem bei aller Wucht die Finesse nie abhanden kommt» (OW 8/2024). So schrieb unsere Kritikerin Judith von Sternburg über Braids Auftritt in Jacques Fromental Halévys «La Juive». Die Kanadierin kehrte damit an das Haus zurück, zu dessen Sängerensemble sie...