100. Todestag Franz Kafka

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Die Exegese seiner literarischen Texte und Briefe füllt ganze Regale. Kaum ein bedeutender Autor der Moderne wurde so häufig unters Mikroskop gelegt wie Franz Kafka, dessen 100. Todestag wir in diesem Jahr begehen, kaum einer – Samuel Beckett vielleicht ausgenommen – ließ derart viele unterschiedliche, sich zum Teil sogar deutlich widersprechende Deutungen zu. Kafka bleibt nach wie vor das große Rätsel, war es sich selbst ja ein (vergleichsweise kurzes) Leben lang.

Ein Schreibender, der noch im Schreiben mit seinem Sosein rang, der sich im Grunde beständig auf der Flucht vor der Welt und deren für ihn idiosynkratischen und intrikaten Entitäten befand und letztlich nur in seiner Literatur Zuflucht fand. Diese «Welt» der Wörter müssen wir, so sie eine klingende wäre, uns als eine dissonante vorstellen, als ein Sammelsurium aus herben Clustern mit enormer Reibungsfläche (wie sie auch in allen Kafka-Vertonungen aufscheint), als einen Ort, an dem jegliche énergie créatice binnen Sekunden verdampfte und sogar derjenige, der sie herbeisehnte, die Waffen letztlich schon gestreckt hatte, bevor der Kampf überhaupt begann. Beleg mag ein lakonisch-resignativer Tagebucheintrag Kafkas sein: «Im ...

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Opernwelt Jahrbuch 2024
Rubrik: 100. Todestag Franz Kafka, Seite 144
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