Wichtige (Ur-)Aufführungen der Saison
Es war eine Uraufführung von bleibendem Wert: Marc-André Dalbavies Musiktheater Le soulier de satin am Palais Garnier der Opéra de Paris führte den Beweis, dass ein schier unspielbares Theaterstück als Oper funktioniert. Der Komponist, der sein Werk selbst dirigierte, und seine Librettistin Raphaèle Fleury verwandelten Claudels Menschheitsparabel in ein «lustvolles Musiktheater, das in der klugen Inszenierung von Stanislas Nordey durch seine zeitlose Dynamik bestach. «Der Pathos der Liebe ist gebrochen, in Sarkasmen aufgelöst, situativ pulverisiert».
(OW 7/2021)
Bereits in seinem ersten Musiktheater «Stallerhof» hatte der österreichische Komponist Gerd Kühr alles Mythisch-Zeitlose überwunden und konkret mit der alles andere als heilen bäuerlichen Welt abgerechnet. Nun, in seinem neuesten, gemeinsam mit Hans-Ulrich Treichel verfassten Werk Paradiese, das an der Oper Leipzig uraufgeführt wurde, wechselte er vom Rustikalen ins Großstädtische, dies «in Form einer regelrechten Berlin-Kolportage. Kühr setzt auf semantische Fasslichkeit, klar artikulierte Texte, scheut dabei keineswegs aggressiv rhetorische Drastik». (OW 9-10/2021)
Schräg, schrill und ein bisschen schmutzig – das ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 106
von Red.
Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen...
Es ist eine der ältesten Opernfragen: «prima la parole?» Oder doch «prima la musica?» Die musikhistorische Wertung scheint da eine einfache Antwort zu kennen: Der Text einer Oper ist immer getreuer Diener von Frau Musica. Doch schon die inhaltlichen Handlungsvorgaben eines Musiktheaters rühren eben nicht so einfach aus dem Klingenden selbst, es bedarf hier schon...
Vor einem Jahr war eben mein Buch über die digitale Revolution und über die Chancen und Risiken für die Kunst im Internet erschienen («World Wide Wunderkammer», Edition Körber). Vorschlag: das Internet nicht dem Unsinnigen und Hassenswerten zu überlassen, sondern es zu nutzen zur Ermöglichung ästhetischer Erfahrung, auch des Musiktheaters, und vielleicht...
