Die Wüste lebt
In der Sport-Sprache heißt es gerne «Nach dem Spiel ist vor dem Spiel»: Die nächste Herausforderung wartet schon. Für den Theater- und Konzertbetrieb gilt Ähnliches: Jede noch so gelungene Premiere ist auch eine Art quasi finaler Momentaufnahme eines längeren Arbeitsprozesses, dessen Ergebnisse sich in der Folgezeit bewähren sollen. Insofern setzt sie alles andere als einen Schlussstrich. Natürlich müssen für einen Saisonrückblick Termine gelten, etwa die letzten Produktionen der Spielzeit.
Nun hat die Corona-Pandemie nicht nur Leben und Existenzen gekostet, sondern seit anderthalb Jahren auch die Kultur erheblich lahmgelegt. Wobei Festangestellte in etablierten Institutionen weit besser daran waren als die Freien.
Doch so oder so mussten sich Produzenten wie Rezipienten, also auch Rezensenten, wohl oder übel ans Prinzip «Not macht erfinderisch» halten. Kam im Vorjahr die Mainzer Interpretation von Nonos «Al gran sole carico d’amore» nicht über die Generalprobe hinaus, wurde die Aufführung noch am Premierentag abgesagt, so hing auch am Ende der vergangenen Saison das Corona-Damokles-Schwert über allem. Dass manche Premieren stattfanden, war nicht unbedingt vorhersehbar. Umso ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 109
von Gerhard R. Koch («FAZ», Frankfurt am Main)
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Lange noch dürfte sie in Erinnerung bleiben, diese überlange Spielzeit der Einschränkungen und Absagen, des Ausweichens, Umplanens und der Entschleunigung. Hinter uns liegt eine Phase oft ungewohnter Seh- und Hörerfahrungen, der Entzugserscheinungen und Ersatzhandlungen, der immer wieder neuen Hoffnungen oder Vertröstungen. Und ein Ende ist nicht wirklich in Sicht.
...Das Publikum in Fußballstadien unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt von demjenigen in Opernhäusern: Es versteht in aller Regel viel, viel mehr von dem, um was es geht.
Im Jahr zwei nach des Corona-Virus Geburt kam nun ziemlich unerwartet eine weitere wesentliche Unterscheidung hinzu: Fußball darf, Theater nicht. Die Frage nach der gesellschaftlichen...
