Wer tritt wen?
Und wenn einer tritt, dann bin ich es; und wird einer getreten, bist du’s. Das Hohelied kapitalistischer Denkungsweise, mit dem das Publikum nach dem ersten Akt von «Mahagonny» in die Pause entlassen wird, dieses Credo der Zocker und Spekulanten, war vermutlich nie aktueller als heute. Und so trifft sich’s gut, dass die Wiener Staatsoper die moralinreiche Kapitalismuskritik von Brecht und Weill als erste Premiere dieses prekären Jahres 2012 ansetzte. Als Erstaufführung dieses Werks im Haus am Wiener Opernring notabene (der Oper, nicht des Songspiels).
Träfe sich’s gut, muss man allerdings leider sagen. Denn das Stück wirkt zumindest in dieser Produktion merkwürdig alt und zugleich auf langweilende Art besserwisserisch. Was nicht zuletzt an Jérôme Deschamps’ Inszenierung liegt. Der Regisseur bezieht sich dezidiert auf Brechts episches Theater, das bei ungebrochener Umsetzung heute ja ganz allgemein recht verstaubt wirkt. In der sich zu abstrakten Häusergebilden formierenden und durch Projektionen amerikanischer Stadtlandschaften ergänzten Dekoration von Olivia Fercioni – inklusive der obligaten Brecht-Gardine – sorgen vor allem die Kostüme von Vanessa Sannino durch Übersteigerung ins ...
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Herr Brück, Sie wirken vom Typus her robust. Sind Sie es?
Ich kann eine Menge einstecken, das ist richtig. Man muss es können. In dem Moment, wo man sich öffentlich präsentiert, wird man auch öffentlich angreifbar.
Als dünnhäutig würden Sie sich nicht bezeichnen. Aber als normal?
Schon, aber mit einer gesunden Portion Schamlosigkeit. Ich denke, das ist sogar ein...
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