Wenn Männer lieben
Die Uckermark ist das am dünnsten besiedelte Gebiet Deutschlands, ihr urbanes Zentrum Prenzlau, im Krieg schwer demoliert, eine schwer erträgliche Ballung von Plattenbauten. Kultur hat es hier schwer, daran hat auch Botho Strauß nichts ändern können oder wollen, der sich vor Jahrzehnten in dieser Region niederließ. Die Uckeroper aber möchte es ändern. Ein kleines, kompetentes Team bringt große Opern auf kleine Bühnen, vorzugsweise nach Prenzlau, Schwedt und Templin, auch grenzüberschreitend nach Stettin.
Da es an bespielbaren Sälen mangelt, nutzt man im Land der bekennenden Atheisten leere Klöster und Kirchen. Sankt Marien in Angermünde sah jetzt Marc-Antoine Charpentiers «David et Jonathas»; das Kirchenschiff fungierte sowohl als Kampfstätte biblischer Kontrahenten wie als arkadische Kulisse für zwei Liebende, die nicht zueinander finden dürfen.
Die Oper entstand 1687. In jenem Jahr war Jean-Baptiste Lully gestorben und insofern nicht mehr in der Lage, sich am Sujet des Stückes zu erfreuen. Lully hatte eine Beziehung zu einem Pagen unterhalten und an Orgien des Herzogs von Vendôme teilgenommen, dem Bruder des Königs. Daraufhin entzog ihm Louis XIV. seine Gunst. Der Sonnenkönig, ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 57
von Volker Tarnow
Es ist eine pro domo-Publikation, herausgegeben von zwei Mit -arbeitern des Intendanten Dietmar Schwarz. Dieser verabschiedet sich nach 13 Jahren und bekommt bestätigt, was er am liebsten hört: «Tatsächlich haben Sie in 13 Jahren so viele Opern und Neukompositionen in Auftrag gegeben wie kein anderes Haus in Europa.» Darauf Schwarz: «Wenn das so stimmt, dann trifft...
Den Begriff kennen wir aus der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Anno 1649 verfasste René Descartes seinen legendären Tractatus logicus «Les Passions de l’âme» (Die Leidenschaften der Seele) und legte damit ein Traktat vor, das, wiewohl nur subkutan, erhebliche Wirkung vor allem auf jene Kunstform ausübte, die sich a priori glänzend eignete für diesen prekären...
Der Rhein ist in Grußweite. Ein paar hundert Meter weiter fließt die Mosel. Dazwischen das überdimensionierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Bei so viel malerischer Pracht geht das Theater Koblenz zwischen den herrschaftlichen Bauten irgendwie unter, eingepfercht zwischen prächtigen Fassaden – und erst recht, wenn das Gebäude, so wie jetzt, von mehreren...
