Der Blick zurück

Verdi: La traviata GENF | GRAND THÉATRE

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Wir vernehmen die schwer auf ihrer Seele lastenden Atemzüge einer Sterbenden: Die noch junge Frau ringt sie sich mit Hilfe eines Sauerstoffgeräts ab – bevor man im Graben jene schwervernebelten Streicherklänge des Vorspiels zum dritten Akt vernimmt, die von baldiger Erlösung zu künden scheinen. Und weil Violettas Verlöschen zum Längsten gehört, was Verdi je für seine tragischen Frauengestalten ersonnen hat, stimmt sie ihr «Addio del passato» schon jetzt an.

Ein letztes Mal hängt die Kurtisane den goldenen Träumen von der Liebe nach, um dann im historischen Perfekt des «tutto finì» ihr Leben als abgeschlossen zu bezeichnen.

In der Genfer Neuinszenierung ist die zweite Strophe dieser Abschiedsromanze dem Abend wie ein Prolog vorangestellt: «La Traviata» wird damit im Grunde als Rückblende erzählt. Violetta schaut im Angesicht des Todes auf die Stationen, die zentralen Bilder ihres Lebens und auf sich selbst zurück. Karin Henkel inszeniert die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen; ein Phänomen, das zumal Menschen mit Nahtoderfahrungen kennen. Die Regisseurin setzt dazu auf die Drastik einer feministischen Sichtweise. Am Anfang ihres Erinnerungsstroms steht ein Kindheitstrauma: ...

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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause

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