Wenn es Wotan zu Papageno zieht
Willensstark und tatkräftig sind sie, aber in ihrer Seele verwirrt, tief verletzt – ob sie Wotan oder Sachs heißen, Posa oder Amonasro, ob sie Namen wie Scarpia, Mandryka oder Wilhelm Tell tragen. Sie alle sind nur Kunstfiguren auf hölzernen Theaterbrettern. Aber wenn Michael Volle diese Figuren verkörpert, werden hinter den Rollen all die schwankenden Existenzen lebendig – die tragischen, vom «Schicksal» oder der eigenen Seelenschwäche gebrochenen, in Wahn und Leid zerrissenen Machtmenschen, die das Publikum bewegen, ja aufwühlen können.
Mit seiner kraftvoll-balsamischen Baritonstimme und der ausgreifenden Bühnenpräsenz ist er längst zu einem großen Charakterdarsteller geworden.
Michael Volle hat sich in den vergangenen Jahren die großen «schweren» Partien seines Fachs auf der Bühne erobert, eben Wagners Hans Sachs, Holländer, Wolfram und Wotan, Verdis Posa, Amonasro und Montfort, den Mandryka und den Jochanaan des Richard Strauss sowie Puccinis Scarpia, im letzten Sommer erst Rossinis Guillaume Tell. Dazu den Dr. Schön in Alban Bergs «Lulu» und den Golaud Debussys. Er hat gerade die zwiespältigen Charaktere mit musikalischer Hingabe und Spielleidenschaft schier an sich gerissen. ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Sänger des Jahres, Seite 34
von Wolfgang Schreiber
Noch keine dreißig Jahre war Kirill Petrenko alt, als er den «Ring des Nibelungen» zum ersten Mal dirigierte: 2001 in Meiningen. Der Erfolg war so groß, dass der in Omsk geborene, in Österreich ausgebildete Dirigent als GMD an die Komische Oper Berlin wechseln konnte. Fünf Jahre hat er dort gewirkt und ist bei der «Opernwelt»-Kritikerumfrage zweimal zum
«Dirigenten...
Hatten Sie die Rolle der Zdenka vor Salzburg überhaupt auf dem Radar?
Nein, gar nicht. Man ist ja als lyrische Sopranistin naturgemäß auf Mozart fokussiert, auf Susanna oder Pamina. Ich wurde zu einem Vorsingen bei Christian Thielemann in Dresden eingeladen, das war noch zu meiner Zeit im Münchner Opernstudio. Da ich nichts von Strauss im Repertoire hatte, er aber...
Komposition ist ebenso in die Zukunft projizierte Neuschöpfung wie auch Interpretation der gesamten Vergangenheit der Musik – ob der Komponist das will oder nicht», schrieb Hans Zender in einem 2012 veröffentlichten Aufsatz über das «Komponieren heute». In Hèctor Parras bei der Münchener Musiktheater Biennale uraufgeführten Oper «Das geopferte Leben» (siehe OW...
