Wenn die Zeit stillsteht
Es gibt ein paar Regeln des Betriebs, die bei Adriana González sogleich außer Kraft traten. Eine davon lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, sich zunächst in einem Ensemble zu entwickeln, Sicherheit zu bekommen. Eine andere, die damit zusammenhängt, lautet, dass es für junge Sängerinnen und Sänger gut ist, das Repertoire nicht hektisch, aber doch kontinuierlich zu erweitern, wie es eben unter einer klugen Intendanz möglich sein sollte. Auch Adriana González dachte natürlich an ein Festengagement.
«Aber die Rollenangebote gingen nicht in die Richtung, in die meine Stimme ging», sagt sie, und ihr Agent habe alles schon gut vorbereitet. Seit fünf Jahren, seit ihrer Zeit in den Opernstudios in Paris und Zürich, arbeitet sie also frei und singt die Rollen, die sie singen will, oder präziser: die ihre Stimme singen will. «Ich hatte auch Glück», sagt sie, «man muss im richtigen Moment ins richtige Projekt am richtigen Haus rutschen.» Ein sanftes Understatement für eine ungewöhnliche Karriere.
Die Sopranistin Adriana González, das war dann bald nicht mehr wichtig, aber doch eine ungewöhnliche Ausgangssituation, kommt aus einem Land, in dem es kein Opernhaus gibt. Ihre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Judith von Sternburg
Während (nicht nur) in Moskau noch ausgiebig darüber diskutiert wurde, was es bedeutet, dass Valery Gergiev demnächst auch Intendant des Bolschoi-Theaters wird, brachte das Haus zwei bereits angekündigte Premieren heraus. Auf der großen Bühne wurde Francisco Cileas «Adriana Lecouvreur» aufgeführt. Sofort stellte sich die Frage, ob uns heute, in den Tagen, Wochen,...
Arme Königin. Liegt dort, ganz und gar zerstört nach der Abreise ihres Geliebten, auf der nackten Erde, und weiß sich nicht anders zu helfen, als ihr Schicksal zu beklagen, mit Tönen, die allerdings direkt aus dem Himmel zu kommen scheinen, so schmerzensreich schön klingen sie, wie von einem verwundeten Engel entsendet. Didos Klagearie «When I am laid in earth» aus...
Anders als Schubert und Schumann hat der Liederkomponist Brahms keinen wirklichen Zyklus geschrieben, wenn man als Bedingung der Form eine lineare Dramaturgie voraussetzt. Am nächsten ist er ihr noch mit den «Romanzen aus Ludwig Tiecks Magelone» op. 33 gekommen. Die Texte der fünfzehn sukzessiv in den Jahren 1861 bis 1868 entstandenen und in fünf Einzelheften...
