Wenn alle Schranken fallen
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus Schlemmer und ich 1994 den Preis des Deutschen Musikrats gewannen, sind wir ein Jahr durch Deutschland getourt und haben auch fast ausschließlich davon gelebt.
Mit Liedern tingeln, diese Erfahrung machen die wenigsten jungen Sänger. Die Liebe zum Lied ist geblieben.
Ist man auch gehemmt, weil das Lied für viele in einer ganz bestimmten, vielleicht zum Klischee geronnenen Tradition steht? Intellektuell, dozierend, mit nicht zu großer Stimme ...
Das ist wohl so, aber ich habe mich davon nie einengen lassen. Entscheidend ist doch die Authentizität. Sowohl in der Oper als auch beim Lied berührt man dann, wenn man mit seinen eigenen Mitteln gestaltet, sich treu bleibt. Ich hatte eben von vornherein ein großes Material. Meine Lehrerin meinte immer: «Sing ein Piano mit deiner Stimme!» Außerdem: Das große Vorbild war und ist für mich ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel
Ein bisschen steckt Verdis «Luisa Miller» in der Klemme. Schließlich muss sich das 1849 uraufgeführte Stück nicht nur gegenüber der Vorlage, Schillers «Kabale und Liebe», behaupten. Es steht auch im Schatten der wenig später komponierten trilogia popolare: «Rigoletto», «Trovatore» und «Traviata». Und wird nicht zuletzt am innovativen «Don Carlo» gemessen. Dass es...
Gioachino Rossinis schnelle Koloraturen und jähe Sprünge verlangen agile, bewegliche Stimmen. Man könnte auch sagen: sportliche. Hat deshalb die Regisseurin Mariame Clément an der Opera Vlaanderen in Gent das «Armida»-Geschehen von den Toren Jerusalems zur Zeit der Kreuzritter in ein Sportstadion der Jetztzeit verlegt? Oder legte die Übermacht des männlichen...
Bestimmt haben Sie sich auch schon mal im Fernsehen das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker angesehen (oder wenigstens kurz zugeschaltet). Ziemlich süß und schwer verdaulich, diese Walzer-Programme, besonders nach einer durchfeierten Nacht. Hat natürlich was, so eine Tradition. Obwohl, inzwischen ist das wohl vor allem ein Exportartikel. Wer da im Takt der...
