Wenn alle Schranken fallen
Mit Ihrer hochgelobten Lied-CD haben Sie viele überrascht. War das Projekt als Fingerzeig gedacht, nach dem Motto: Hallo, ich kann auch anderes?
Ein bisschen war das so. Als dramatischer Mezzo ist es nicht leicht, mit der kleinen Form Aufmerksamkeit zu erregen, weil man abgestempelt ist. Dabei bin ich eigentlich mit dem Lied groß geworden: Als mein Pianist Markus Schlemmer und ich 1994 den Preis des Deutschen Musikrats gewannen, sind wir ein Jahr durch Deutschland getourt und haben auch fast ausschließlich davon gelebt.
Mit Liedern tingeln, diese Erfahrung machen die wenigsten jungen Sänger. Die Liebe zum Lied ist geblieben.
Ist man auch gehemmt, weil das Lied für viele in einer ganz bestimmten, vielleicht zum Klischee geronnenen Tradition steht? Intellektuell, dozierend, mit nicht zu großer Stimme ...
Das ist wohl so, aber ich habe mich davon nie einengen lassen. Entscheidend ist doch die Authentizität. Sowohl in der Oper als auch beim Lied berührt man dann, wenn man mit seinen eigenen Mitteln gestaltet, sich treu bleibt. Ich hatte eben von vornherein ein großes Material. Meine Lehrerin meinte immer: «Sing ein Piano mit deiner Stimme!» Außerdem: Das große Vorbild war und ist für mich ...
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Opernwelt Januar 2016
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel
Als Richard Strauss’ Vertonung von Oscar Wildes Drama «Salome» 1905 uraufgeführt wurde, waren die Zeitgenossen schockiert. Marie Wittich, die erste Interpretin der Titelrolle, hat es zunächst abgelehnt, die Partie zu übernehmen, weil sie eine «anständige Frau» sei. Noch nie war Sexualität, waren die Männerfantasien des Weiblichen so unverhüllt auf der Opernbühne...
Riesige Geschenkschachteln in Rosarot und Himmelblau stehen überall herum. Sie bilden das szenische Fundament der Chemnitzer Neuproduktion von Alexander von Zemlinskys Einakter «Der Zwerg». In diese nicht nur räumlich, sondern auch ideell begrenzte, scheinbar makellose Welt passt einer wie er einfach nicht hinein: Kleinwüchsig und missgestaltet ist dieser Zwerg,...
Armer Shakespeare! Wie haben sie ihn misshandelt!», nörgelte Giuseppe Verdi, nachdem er die Partitur zu Ambroise Thomas’ «Hamlet» durchgesehen hatte. Freilich meinte er damit vor allem das Libretto. Er hatte eigentlich ja selbst vor, einen «Hamlet» zu komponieren. Oder «Romeo und Julia». Oder den «Sturm». Oder aber, und vor allem, sein Lieblingsschauspiel «Lear»....
