Weniger ist mehr
Gott ist abwesend, der Kampf ums Überleben diktiert den Stückverlauf. Die (Todes-)Angst vor Aids und das heikle Coming-out, auch innerhalb der Familien, heizen ihn an. Aus dem Alltag erwächst die Vision, am Ende fantasiert sich Prior Walter (er ist nicht Prior, er heißt so) einen Engel herbei, der seinerseits auf Prophetensuche ist. Doch Prior lehnt den Job ab. Er hat mit dem Leben genug zu tun, so schwer es auch ist.
«Angels in America», Peter Eötvös’ 2004 in Paris uraufgeführte Oper nach dem Dramenmonster von Tony Kushner, ist reich an Themen und Aspekten.
Die Freiburger Inszenierung von Ingo Kerkhof begegnet dem aufs Erste mit einer richtungsweisenden Entscheidung: Der Bühnengestalter Dirk Becker lässt jedweden Eugene-O’Neill- oder Tennessee-Williams-Realismus beiseite und unterläuft so die amerikanische Freude am Narrativen. Die Szene präsentiert sich als Arbeitsbühne, ruft trotz der Requisiten einen Eindruck von Leere hervor. Das knappe Mobiliar vor allem aus Krankenbetten leistet kräftige Sehhilfe. Die schnittig beflügelten Engel sind faszinierend bizarre Erscheinungen, namentlich an Priors Sehnsuchtsort in der Antarktis. Ansonsten tut die Regie das Vernünftig-Naheliegende, ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Heinz W. Koch
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Theater Aachen
Tel. 0241/478 42 44
theaterkasse@mail.aachen.de
www.theateraachen.de
– Dialogues des Carmélites: 5., 17., 20., 26.
– Don Giovanni: 13., 16.
– La traviata: 18., 21., 31.
Annaberg-Buchholz
Winterstein-Thea...
«Musik habe ich gar keine gehört.» So soll ein biederer Schweizer einst Richard Strauss geantwortet haben, als der ihn nach einer Basler Aufführung der «Elektra» gefragt hatte, wie ihm die Oper gefallen habe. Der Eidgenosse fand das expressionistische Ausrasten «großartig». Aber war da überhaupt Musik?
Salvatore Sciarrino und Richard Strauss in einem Atemzug zu...
Wie das von der Markgräfin Wilhelmine verantwortete Musiktheater aussah, sofern es nicht Opern eines Starkomponisten nachspielte, lässt sich an «L’Huomo» studieren. 1754 kam diese «Festa teatrale» im Markgräflichen Opernhaus heraus – eine Mischform, die Elemente der italienischen Opera seria ebenso aufgriff wie der französischen «Fête en Musique». Von Wilhelmine...
