Well made play

Strauss: Der Rosenkavalier an der Irish National Opera Dublin

Opernwelt - Logo

Der kleine Amor hat spürbar Lust auf diesen Abend. Zu den ersten Takten des Vorspiels klettert er aus den Tiefen des Bühnenbodens herauf, richtet die Kissen und zieht beim übergroßen Himmelbett die Gardinen zu für das, was wir im Orchestergraben ohnehin schon deutlich hören: den Liebesrausch zwischen der Marschallin und ihrer jugendlichen Amour fou Octavian.

Nicht nur das Bett ist einladend ausladend, auch der Stuck an Decke und Wänden, die Kronleuchter sind es – Regisseur Bruno Ravella und sein Bühnenbildner Gary McCann haben für diese Koproduktion mit der Garsington Opera und der Opera Santa Fé ganz auf riesigen Rokoko-Zuckerdekor gesetzt. Das Personal in diesem Interieur erinnert an die Commedia dell’arte. Sophie etwa kommt als Lolita in knallrotem Kleidchen daher, der verkleidete Octavian im Dirndl, die Marschallin in höfischer Prunkmode, und der Baron Ochs erscheint auf der Bildfläche im schlechtsitzenden Frack, mit falschen Socken und rotem Klamaukbart. 

Zum Leben erwacht dieser «Rosenkavalier» durch die Sängerinnen und Sänger: Paula Murrihy kehrt mit einer ihrer Paraderollen in die Heimat zurück und legt den Octavian empathisch-melancholisch an. Mit nie versiegendem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2023
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Stephan Knies

Weitere Beiträge
Da ist keinerlei Hoffnung

Zerborsten, ausgehöhlt wie eine Ruinenlandschaft klingt das Orchestervorspiel in Søren Nils Eichbergs «Oryx and Crake». Außer vereinzelten Glockenschlägen sind alle Klangfarben ausradiert. Erlahmt tönen die Instrumente in tief-rauem Spektrum. Vor diesem düsteren Tableau, das Dirigent Albert Horne mit dem Hessischen Staatsorchester präzise erschließt, lassen...

Ansprechender Buchstabensalat

Wer Barcelona für eine Stadt in Spanien hält, der weiß spätestens nach einem Besuch dort, dass dies nicht ganz richtig ist: Barcelona liegt in Katalonien – und dieser Umstand kommt vor allem in Sachen Kultur zum Ausdruck. Dies mag aus deutschen Landen stammende Menschen vielleicht eher befremden, denn mit Termini wie «Nationalstolz» oder «Volksheld» haben wir aus...

Mit dem Rasenmäher

Wenn dies auch Tollheit ist, hat es doch Methode», scheint mit Shakespeares «Hamlet» die Devise dieser Aufführung zu sein. «Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro» heißt (übersetzt) der Titel von Beaumarchais’ aufrührerischer Komödie, die Mozarts und Da Pontes Oper zugrunde liegt. In Barbora Horá-kovás Inszenierung, die das Nationaltheater Mannheim im...