The House of Joy
Gott fährt Motorrad. Aber er benutzt es, sich seiner erhöhten (Sonder-)Stellung gewiss, nicht nur auf den dafür vorgesehenen Pfaden. Um die schöne Semele zu rauben, nimmt er ebenfalls den Zorn des Volkes in Kauf, das sich in einer schmucken Kirche zum, genau: Gottes-Dienst versammelt hat (Bühne: Tracy Grand Lord). Jupiter höchstselbst, denn von ihm geht hier die Rede, ficht das nicht an. Er hat sich mehr oder minder «unsterblich» in die thebanische Königstochter verliebt und raubt sie nun mitten aus der heiligen Versammlung, um sie ganz für sich allein zu haben.
Ein letzter fulminanter (oder sollte man sagen: lüsterner?) Dreher am Gaspedal, und schon braust das Paar in Windeseile aus der Kirche der Erstaunten hinaus ins flotte Leben.
Es ist zugegeben eine kecke, ja kühne Idee, das mythische, von Ovid im dritten Buch seiner «Metamorphosen» eine Spur vermenschlichte Sujet auf diese radikal rustikale Art und Weise zu deuten. Doch sie funktioniert, weil Thomas de Mallet Burgess und Jacqueline Coats für ihre Inszenierung von Händels 1744 im Londoner King’s Theatre am Haymarket herausgekommenem Oratorium «Semele» die Holy Trinity Cathedral zu Auckland in ein leibhaftiges House of Joy ve ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jan Verheyen
Es war ein politisches Großereignis, als Maria Theresia, Infantin von Spanien, Louis, den Dauphin von Frankreich, heiratete, Ende 1744 in Madrid wie Anfang 1745 in Versailles. Obwohl zum ersten Termin noch der Ehemann fehlte, weil Louis sich, was nicht unüblich war, bei seiner eigenen Hochzeit vertreten ließ: An der Repräsentation wurde nicht gespart, mithin auch...
P = Premiere ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
Hier finden Sie alle Termine (Premieren sowie Repertoirevorstellungen) der Opernhäuser in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz. Von den anderen Häusern (Grenzländer zu Deutschland sowie Italien und ein paar andere) bilden wir jeweils...
Zerborsten, ausgehöhlt wie eine Ruinenlandschaft klingt das Orchestervorspiel in Søren Nils Eichbergs «Oryx and Crake». Außer vereinzelten Glockenschlägen sind alle Klangfarben ausradiert. Erlahmt tönen die Instrumente in tief-rauem Spektrum. Vor diesem düsteren Tableau, das Dirigent Albert Horne mit dem Hessischen Staatsorchester präzise erschließt, lassen...
