Wegweisend
Claudio Monteverdis venezianisches Spätwerk «Il ritorno d’Ulisse in patria» liegt seit Nikolaus Harnoncourts bahnbrechender Einspielung aus dem Jahr 1971 in zahllosen Aufnahmen vor. Wer sich dieser erdrückenden Konkurrenz ernsthaft stellen will, muss etwas Neues zu sagen haben! Wie der französische Dirigent Stéphane Fuget, der bisher hauptsächlich mit geistlichen Werken von Couperin und Lully hervorgetreten ist.
Gemeinsam mit seinem Ensemble Les Épopées und famosen Solistinnen und Solisten schafft er einen Neuzugang zum recitar cantando, jenem für die italienische Oper des Frühbarock charakteristischen Deklamationsstil zwischen Singen und Sprechen, der über das gewöhnliche Sprechen hinausgeht und doch «unterhalb» des Gesangs verbleibt. Er findet ihn, mit überzeugenden Quellennachweisen, in der Mikrointervallik jenseits der exakten Wiedergabe der musikalischen Notation, in den «Schönheiten und Feinheiten, die nicht geschrieben werden können», wie es bereits 1600 im Vorwort zu Jacopo Peris «L’Euridice» heißt.
Ziel seiner Wiedergabe ist nicht der wie immer geartete «schöne» Gesang des hochbarocken Belcanto, sondern ein Reichtum an Stimmbeugungen, Redeflüssen und Affekten, die, ganz ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 29
von Uwe Schweikert
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch. Auf jeden...
All das Neue, was die Musikstadt Wien seit Beginn dieser Saison durchweht, hat mit dem Anfangen noch gar nicht aufgehört: Die Intendanzwechsel im Theater an der Wien sowie an der Volksoper haben erst eine kleine Handvoll an Produktionen nach sich gezogen, die grosso modo beim Publikum gut bis sehr gut angekommen sind – dazu gleich mehr. Im Haus am Ring hingegen hat...
JUBILARE
Rodion Schtschedrin kam am 16. Dezember 1932 in Moskau zur Welt, studierte schließlich am Moskauer Konservatorium bei Juri Schaporin (Komposition) und Jakow Flier (Klavier). Nach durchaus eindrücklichen Anfängen einer Klavierlaufbahn wurde er 1964 auf eine Professor für Komposition am Moskauer Konservatorium berufen und 1973 auf Wunsch von Schostakowitsch...
